DELMENHORST An den Werken von acht Künstlern wird demonstriert, was Schönheit in der Kunst sein kann. Das Ergebnis der Delmenhorster Themenausstellung ist ein üppiges Panorama.

Von Jürgen Weichardt DELMENHORST - Eine vornehm gekleidete Dame wartet in einem Schlitten vor dem verschneiten Kiew. Das Bild der Amerikanerin Karin Kilimnik (Jahrgang 1962) enthält einige Standards, die die Ausstellung „Schönheit der Malerei“ in der Städtischen Galerie Delmenhorst kennzeichnen. Die junge Frau weckt gewisse Erwartungen: Sie lächelt nicht, blickt den Betrachter an.

Ist sie verlassen? Kommt der Prinz gleich und fährt sie ins warme Schloss ?

Auch wenn Schnee liegt, sind die Farben angenehm. Ihre Auftragsweise ist lebhaft, aber geglättet. Das Bild hat nichts Störendes. Das gilt auch für die übrigen Bilder der Schau. Die signalisiert, dass die Provokation durch Malerei vorbei sei. Die heimelige Welt reiner Harmonien, die diese Bilder mit ihren wartenden Mädchen am Strand, auf der Couch oder an der Quelle vorgeben, hat zwar Tücken, aber sie lässt nur einen Ausruf zu: Wie schön!

Das monumentale Doppelbildnis „Scott and John“, 1966, von Alex Katz (Jahrgang 1927) muss ausgenommen werden, weil der Künstler einer früheren Generation angehört und das vor 40 Jahren gemalte Bild zwei Männerporträts darstellt.

In Isabell Dutoits Bildern schauen Mädchen auf ruhende Löwen oder spiegeln sich mit Rehen im Wasser. Karin Kneffel malt wunderbar runde Trauben, Teppiche und Tigerfelle auf glänzend gebohnertem Fußboden. Felsen und Dschungel, die der gebürtige Delmenhorster Hartmut Neumann auf seine Leinwände bannt, haben surreale Überraschungen wie rosa Wolken zwischen den Bäumen oder einen Akt in der Felswand. Aber das Schönheitsempfinden wird dadurch noch gesteigert.

Einzig Rosa Loy irritiert, weil ihre offenbar fröhlichen Zwillings- und Frauenfiguren alltägliche Arbeit leisten, die nicht immer einleuchtet. Aber die Künstlerin kennt das Arbeitsleben, und die versteckten Brüche in ihren realistischen Bildern lassen sich auf ihre Leipziger Ausbildung zurückführen.

Dass Farbe für Schönheit nicht nötig ist, belegt der Brite Paul Morrison mit großen schwarzweißen Geäst- und Blätter-Kompositionen. Schließlich gibt es noch Anton Henning, dem die meisten Arbeiten von abstrakten Wirbeln bis zu stillen Interieurs zugestanden wurden. Er spart das Frauenbild aus, zeigt aber die Couch.

Die Ausstellung „Schönheit der Malerei“ setzt die Reihe der Themenausstellungen in der Städtischen Galerie fort. Sie ergeben ein üppiges Panorama.

Die Ausstellung

„Schönheit der Malerei“ ist noch bis zum 23. Oktober in der Städtischen Galerie Delmenhorst, Fischstraße 20, zu sehen. Sie ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet, donnerstags bis 20 Uhr. Der Katalog kostet 16 Euro.

Mehr Infos unter www.staedtische-galerie-delmenhorst.de

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