HAMBURG Hamburgs berühmteste „Deern“, die Volksschauspielerin Heidi Kabel, machte die Waterkant selbst bei den Bayern populär. Zu Hamburg gehört die Schauspielerin genauso wie die Wahrzeichen der Stadt, der Michel und die Landungsbrücken. Über das Fernsehen machte sie das Plattdeutsche von 1954 an in ganz Deutschland salonfähig. Das niederdeutsche Ohnsorg-Theater in Hamburg ist untrennbar mit ihrem Namen verbunden.

Seit 2003 lebte die an Demenz leidende Schauspielerin in einem Altenheim, wo sie im Sommer 2009 ihren 95. Geburtstag mit fünf Enkelkindern und drei Urenkeln feierte. Am Dienstag ist sie nun gestorben.

Lachen und Weinen

In mehr als 65 Jahren war Heidi Kabel am Ohnsorg in über 160 plattdeutschen Stücken zu sehen, verkörperte tratschsüchtige Nachbarinnen, keifende Hausdrachen und resolute Mütter. Mit seriöser komödiantischer Kunst brachte sie die Menschen zum Lachen und zum Weinen, denn immer gelang es ihr, trotz allen Klamauks, im Kauzigen auch das Bösartige und im Boshaften das Verletzte zu zeigen. Ihr Schauspielerkollege Peter Striebeck sagte einmal: „Sie kommt immer als Mensch auf die Bühne, und man vergisst, dass sie spielt.“

Dabei wollte Heidi Kabel zunächst gar keine Schauspielerin werden, sondern Pianistin. Als 18-Jährige begleitete sie 1932 eine Freundin zum Vorsprechen an die „Niederdeutsche Bühne“, die Richard Ohnsorg 1902 gegründet hatte – und wurde selbst engagiert. Dabei hatte ihre Mutter ihr noch hinterhergerufen: „Heidi, du nicht!“

1937 heiratete sie den Regisseur Hans Mahler, der 1948 zum Leiter des Ohnsorg-Theaters berufen wurde, und bekam drei Kinder. Die Anfangsjahre waren nicht leicht: „Man wollte sich amüsieren, den Krieg vergessen, für ein paar Stunden Fröhlichkeit genießen, bevor man wieder in den tristen Ruinenalltag zurückkehren musste“, erinnerte sich Heidi Kabel.

Über hanseatische Grenzen hinaus populär wurde Kabel in den 50er-Jahren, als das Fernsehen die Aufführungen aus dem Ohnsorg-Theater ausstrahlte. Bald avancierte sie zum Star der Volksbühne. Ihre Rolle in „Tratsch im Treppenhaus“, wo sie 1962 neben Henry Vahl die klatschsüchtige Nachbarin Meta Boldt gab, bleibt unvergessen. Oft stand sie mit ihrer Tochter Heidi Mahler auf der Bühne.

Fleiß und Disziplin

Beruflich haben sich Disziplin und Fleiß ausgezahlt, das zeigen schon die Preise, mit denen sie überschüttet wurde. Die Werte hatte ihr die strenge Mutter beigebracht. Im März 1970 bestand sie darauf, die Vorstellung von „Suuregurkentied“ zu Ende zu spielen, obwohl sie in der Pause die Nachricht vom Tod ihres Mannes erhalten hatte. „Sie ist so erzogen worden, dass man keine Gefühle zeigt“, sagt ihre Tochter. „Aber sie hat uns gegenüber immer ihre ganze Liebe gezeigt.“

Ohnsorg-Aufführungen wurden seit 1954 im Fernsehen ausgestrahlt. Zudem spielte Heidi Kabel in TV-Filmen mit. Hier die wichtigsten Rollen:

1933: Erste Bühnenrolle in „Ralves Carstens“ 1954: Erste Fernsehübertragung mit dem Stück „Seine Majestät Gustav Krause“ 1966: In „Tratsch im Treppenhaus“ spielt Kabel eine klatschsüchtige Nachbarin 1982: „Die Kartenlegerin“ und „Mutter Mews“ sind Karriere-Höhepunkte 1992: Ernste Charakterrolle in der TV-Serie „Mutter und Söhne“ 2007: Letzte Filmrolle in dem Detlev-Buck-Spielfilm „Hände weg von Mississippi“

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