Hamburg Da steht sie nun – bescheiden wie immer – in einem Kittelkleid und streckt den Passanten die linke Hand entgegen: Vor dem neuen Ohnsorg-Theater, direkt hinter dem Hamburger Hauptbahnhof und neben dem Deutschen Schauspielhaus, begrüßt Heidi Kabel (1914– 2010), der unvergessene Star des Ohnsorg-Theaters, die Besucher der niederdeutschen Bühne als lebensgroße Bronzestatue.

Mit dem Umzug von den Großen Bleichen an den neuen Standort „ist ein Wunsch meiner Eltern in Erfüllung gegangen“, sagte ihre Tochter Heidi Mahler bei der Einweihung des Denkmals 2011. An ihrem 100. Geburtstag am 27. August erinnert das Ohnsorg-Theater mit einer „Heidi-Kabel-Nacht“ an die beliebte Volksschauspielerin.

„Für die Hamburger war sie einfach nur: Uns Heidi! Ein herzlicher Ritterschlag, eine wunderbare Liebeserklärung“, sagte Ohnsorg-Intendant Christian Seeler. Bei der „Heidi-Kabel-Nacht“ verwandelt sich das Theater in einen Kinosaal, und die Zuschauer können den wohl beliebtesten Klassiker mit Heidi Kabel auf der Filmleinwand erleben: „Tratsch im Treppenhaus“.

Mit Witz, Geradlinigkeit und Herzenswärme habe sie die Zuschauer im Sturm erobert, würdigte Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) die Volksschauspielerin.

Heidi Kabel hatte das Herz auf dem rechten Fleck – und wurde dafür geliebt. In mehr als 65 Jahren stand die Schauspielerin in über 160 plattdeutschen Stücken auf der Bühne, spielte tratschsüchtige Nachbarsfrauen, keifende Hausdrachen, bauernschlaue Mütter und schrullige Alte. Sie überzeugte mit Mutterwitz und Menschenkenntnis und machte das Plattdeutsche weit über den Norden hinaus bekannt.

Dabei wollte Heidi Kabel keine Schauspielerin werden, sondern Pianistin. Als 18-Jährige begleitete sie 1932 eine Freundin zum Vorsprechen an die „Niederdeutsche Bühne“, die Richard Ohnsorg gegründet hatte – und wurde selbst engagiert. Dabei hatte ihre Mutter ihr noch hinterhergerufen: „Heidi, du nicht!“. 1937 heiratete sie den Regisseur Hans Mahler, der 1948 zum Ohnsorg-Leiter berufen wurde, und bekam drei Kinder: die Söhne Jan-Rasmus und Heiko und die Tochter Heidi, die in ihre Fußstapfen stieg.

Über hanseatische Grenzen hinaus populär wurde sie in den 50er Jahren, als das Fernsehen die Aufführungen aus dem Ohnsorg-Theater ausstrahlte. Mit über 70 erweiterte sie ihr Repertoire um Charakterrollen – im Film „Hände weg von Mississippi“ stand sie 2007 mit 92 Jahren ein letztes Mal vor der Kamera.

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