Verkehrschaos nach tödlichem Folgeunfall
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Verkehrschaos nach tödlichem Folgeunfall

Hamburg Wer auf der „Salomon“ landet, hat es so richtig verbockt. Drogen, Einbruch, Diebstahl, Sachbeschädigung – Aeneas ist 17 Jahre alt und hat schon einiges auf dem Kerbholz. Gleiches gilt für Sinan, gerade mal 15 Jahre alt und zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Ob die beiden jugendlichen Straftäter ihre letzte Chance auf dem Therapieschiff ergreifen, erzählt die Filmemacherin Birgit Wärnke in einem Dokumentarfilm des NDR, der in 45 Minuten eine anderthalbjährige Entwicklung nachzeichnet (13. August, 22 Uhr).

„Das war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt Marlies am Anfang, die Mutter von Aeneas, obwohl sie ihren Sohn für zwei Jahre an das Segelschiff abgeben muss und ihn in dieser Zeit nur einmal treffen kann. Die alleinerziehende Mutter aus dem Oldenburger Land – der griechische Vater der insgesamt drei Kinder ist früh verstorben – war zuvor jahrelang ihrem Kind hinterhergefahren, um Schlimmstes zu verhindern.

Erfolgserlebnisse

Das Leben an Bord ist hart, strukturiert und voller Regeln: feste Essens- und Schlafenszeiten, keine Drogen, keine Gewalt und keine Privatsphäre in den Vierer-Kajüten, nur selten ist die Nutzung von Handy und Laptop erlaubt. Dafür zweimal am Tag Wache schieben, saubermachen, Segel setzen und lernen. Das Konzept des Schiffes, das von einer Schweizer Stiftung gemeinsam mit einem deutschen Trägerverein betrieben wird, setzt auf Erfolgserlebnisse. „Ein Junge, der nirgends funktioniert hat und hier jetzt die Segel handhaben kann“, sagt der Leiter der „Salomon“, Jonathan Reist, „der ist mal was!“. Eine ganz andere Form der Bestätigung als auf der Straße beim Gruppen-Kiffen.

Die Jugendhilfe auf hoher See ist intensiv und auf den ersten Blick teuer: Gute 100 000 Euro investiert das Jugendamt für jeden Jungen im Jahr. Soviel kostet aber auch ein Platz in einem geschlossenen Heim. Eine Investition, die sich offenbar lohnt: Die eigene Statistik der „Salomon“ verspricht, dass zwei von drei Jugendlichen den Weg in ein geregeltes Leben finden. Nach einer Haftstrafe dagegen werden viele von ihnen rückfällig – etwa 70 Prozent, wie Studien belegen.

Ausstrahlung im NDR Fernsehen

Die Dokumentation „45 Min – Jung und kriminell – was dann?“ wird am Montag, 13. August, um 22 Uhr im NDR Fernsehen ausgestrahlt.

Die 39-jährige Filmemacherin – sie hat bereits den Vorgängerfilm „Segelschiff statt Jugendknast“ gedreht – hat Aeneas und Sinan über anderthalb Jahre begleitet und war auch selbst für zwei Wochen an Bord. Eine Arbeit zwischen Nähe und journalistischer Distanz. Die Reise beginnt auf dem Atlantik vor den Kanaren und endet in Niedersachsen. Es ist ein ruhiger Film mit langsamen Kamerafahrten und schönen Landschaftsaufnahmen.

Doch an Land, ganz ohne Wellengang, wird nicht nur das Wetter schlechter, sondern auch das Leben rauer. Aeneas, inzwischen 18, bekommt eine eigene Wohnung drei Stunden von seinem Heimatort entfernt mit der Auflage, ein Praktikum zu absolvieren und sein Leben in den Griff zu bekommen. Sinan, der aus einer türkischen Familie in Aschaffenburg stammt, lebt in einer Einliegerwohnung bei der Familie von Sozialarbeiter Raik Lößnitz in Niedersachsen.

Nun müssen sich die Jugendlichen beweisen. Der Film lässt mehr und mehr die Menschen zu Wort kommen, die ihnen helfen wollen. Birgit Wärnke und ihre Kameraleute folgen Aeneas zu einem Dachdeckerbetrieb, wo er ein Praktikum absolvieren soll, und Sinan durch die Straßen von Braunschweig, wo er die Restaurants abklappert, um einen Praktikumsplatz zu bekommen. Denn er hat seit seinem Aufenthalt auf der „Salomon“ ein klares Ziel: Er will Koch werden.

„Ich komme von unten und will nach oben“, sagt er selbstbewusst. Und als er im „Monkey Rosé“ in der Braunschweiger Altstadt als Praktikant anfängt, träumt er schon davon, Sternekoch zu werden. Drogen will er keine mehr nehmen: „Davon wird Deine Seele schwarz.“

Krisengespräch

Aeneas, auf dem Segelschiff einer der besten und fittesten, würde man eine solche Erkenntnis wünschen. Das Praktikum beim Dachdecker schafft er nicht, das beim Baumarkt auch nicht. Dort klaut er sogar Geld. Zum Krisengespräch im Jugendamt darf die Filmemacherin mitkommen. Für ihn schließt der Film ernüchternd, für Sinan mit einem Ausbildungsplatz.

Und die „Salomon“? Nach zehn Jahren, erzählt Birgit Wärnke im Gespräch, wurde ihr Einsatz als Therapieschiff eingestellt. Es fehlte das Geld für die notwendige Sanierung. Die letzten Jugendlichen gingen im November 2017 von Bord.

Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion

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