Hamburg Es gibt wohl kaum zwei Genres, die Hollywood so gern zusammenschmeißt wie Actionfilme und Komödien über ungewöhnliche beste Freunde. Da gab es vor Jahrzehnten die „Lethal Weapon“-Serie, da sind die „21 Jump Street“-Filme und selbst jeder drittklassige Heimatkrimi bei den Öffentlich-Rechtlichen versucht sich an der plumpen Formel: „Ein trockener und ein witziger Typ geraten in eine Kriminalstory“.

Leider ist es extrem schwer, eine Mischung aus mitreißender, aber trotzdem leichtfüßiger Action zu finden, viel zu häufig besitzen diese Genremixes zu wenig Tempo. Trotzdem versucht sich nun auch „Bad Spies“ an diesem Mix – mit der weiter zum Superstar aufsteigenden Kate McKinnon („Ghostbusters“).

Im Zentrum stehen Aubrey (Mila Kunis) und Morgan (McKinnon), eine Biosupermarktverkäuferin und eine erfolglose Schauspielerin, die als beste Freundinnen zusammenwohnen. Zu Beginn wird Aubrey erst von ihrem Freund verlassen, bevor sich herausstellt, dass der gar kein Produzent eines Jazz-Podcasts ist, sondern ein Geheimagent, der in der Wohnung der beiden eine Filmpreis-Statue mit geheimem Inhalt deponiert hat. Nach flotten Verwicklungen zu Beginn brechen die Freundinnen nach Europa auf, um dort die Statue an den rechtmäßigen Besitzer zu bringen.

So weit, so oft gehört: Die Geschichte ist etwas formelhaft erzählt. Seltsam unausgewogen sind die überraschend gewalttätigen Actionszenen. Nachzählende US-Medien kamen auf mehr Tote als im jüngsten „Mission Impossible“, und die deutsche Selbstkontrolle hat den Film erst für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben. Aber an den Rändern dieses ständig knapp am Abgrund vorbeischrammenden Sommerfilm-D-Zugs passiert genug Gutes, dass sich ein Kinobesuch trotzdem lohnt: Viele Gags funktionieren, das Tempo stimmt, und die Europareise der beiden Protagonistinnen bietet visuell gute Unterhaltung, ein Finale im Berliner Technikmuseum inklusive. Einige der trockenen Oneliner von McKinnon zünden fantastisch, beispielsweise wenn sie vor Kunis mit Österreich-Souvenirs wedelt und begeistert sagt: „Schau, sie spielen total hoch, dass Mozart von hier ist, aber sie spielen total herunter, dass Hitler von hier war.“

Erwähnenswert bleibt, dass der Film an einem der schlimmsten Klischees vorbeischrammt, an denen sich das Genre sonst abarbeitet. Immerhin müssen hier nicht erst zwei unterschiedliche Typen lernen, miteinander klarzukommen. Stattdessen verstehen sich Audrey und Morgan von Anfang an blendend. Allein eine solche Frauenfreundschaft mal in diesem Actionthriller-Bereich zu sehen, hebt den Film über den Durchschnitt des Genres.

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