Hamburg Etwas seltsam ist das schon: Die USA diskutieren seit dem Massaker von Parkland über schärfere Waffengesetze, ein Ruck scheint durch das Land zu gehen. Genau zu diesem Zeitpunkt kommt ein Film in die Kinos, der behauptet, dass ein Mann ohne Waffe schutzlos der Gewalt um ihn herum ausgeliefert ist.

Dies ist die blutige Prämisse von „Death Wish“, der seit Langem geplanten Neuauflage des Klassikers „Ein Mann sieht rot“ (1974). Nun ist ein Rachethriller kein pazifistisches Manifest, aber ein mulmiges Gefühl hinterlässt dieser bleihaltige, mitunter sehr brutale Genrefilm auf jeden Fall.

Der gut gealterte Action-Profi Bruce Willis („Stirb langsam“) spielt die Rolle des Mediziners Paul Kersey, die damals Charles Bronson innehatte. Der Familienvater muss als Chirurg in der Notaufnahme in Chicago die zahlreichen Schusswaffenopfer behandeln, die der grassierenden Gewalt auf den Straßen zum Opfer gefallen sind.

Als eines Tages Kerseys Ehefrau Lucy (Elisabeth Sue) bei einem Raubüberfall zu Hause ermordet und die fast erwachsene Tochter Jordan (Camila Morrone) schwer verletzt wird, mutiert Kersey zum Racheengel. Er deckt sich mit reichlich Schusswaffen ein – kein Problem bei den laxen Bestimmungen –, bringt sich selbst das Schießen bei und macht dann nachts Jagd auf die Kriminellen, die seine Frau auf dem Gewissen haben.

Horror-Spezialist Eli Roth („Hostel“, „Cabin Fever“) hat diesen mitunter nervenaufreibenden Rachefeldzug nach einer simplen Auge-um-Auge-Logik inszeniert. Weil die Staatsgewalt in Gestalt der Beamten Detective Jackson (Kimberly Elise) und Detective Raines (Dean Norris, „Breaking Bad“) nicht in der Lage ist, die Kriminellen zu fassen, muss ein friedliebender Mann zur Selbstjustiz greifen.

Hinterfragt wird diese typisch amerikanische Logik, auf der auch die meisten Western beruhen, immer nur am Rande – in den sozialen Medien und Radioshows wird Kersey im Film sogar zum Helden stilisiert, der endlich aufräumt und die Gewalt wirksam bekämpft.

Und diesen Job erledigt Hollywoodstar Bruce Willis (62) immer noch sehr unterkühlt, effizient und gewohnt überzeugend. Anders als sein Schauspielkollege Robert De Niro, der sich seit Jahren für keine noch so dumme Komödie zu schade ist, hat sich Willis trotz einiger Ausreißer seine schauspielerische Kernkompetenz als harter Hund bewahrt. Er ist der liebevolle Familienvater und zugleich der gnadenlose Killer. Da liegt zwischen Frühstückstisch und Schlachtbank manchmal nur ein Augenzucken. Am Ende kommt ihm der Rachefeldzug selbst wie ein Albtraum vor.

So bleibt beim Zuschauer nach diesem Thriller auch die Ahnung hängen, wie schnell ein unbescholtener Bürger mit einer Waffe in der Hand zum Monster werden kann.


Trailer unter:
  bit.ly/2fvw6vg 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.