OLDENBURG Von seinen zeitgenössischen Künstlerkollegen hielt Horst Janssen (1929–1995) wenig, um nicht zu sagen: gar nichts. Nur einen ließ der begnadete Grafiker und Zeichner gelten, einen, dem er sich selbst nicht zu nähern wagte: Picasso (1881–1973). Ein einziges Mal habe Janssen über ihn gesprochen, erinnert sich Birgit Jacobsen, eine langjährige Freundin und die Archivarin des Künstlers, die bis heute sein Andenken pflegt. Eines nachts habe er ein Buch über Picasso hervorgeholt, darin geblättert und gesagt: „Bei dem stimmt einfach alles.“

Zur aktuellen Picasso-Ausstellung im Janssen-Museum präsentiert Dr. Jutta Moster-Hoos, wissenschaftliche Leiterin des Museums, einen kopierten und von Birgit Jacobsen eigens zur Verfügung gestellten Brief, der ein wenig das Verhältnis zwischen Picasso und Janssen beleuchtet. Er stammt vom April 1986, wurde abgefasst in französischer Sprache und unterzeichnet von Maya, einer Tochter Picassos aus der Verbindung mit Marie Thérèse Walter (1909–1977).

So kurz der Brief auch ist, so ist er doch eine einzige Lobeshymne auf Janssen. Maya hatte 1986 eine Ausstellung in der Pariser Galerie Berggruen besucht, auf die der Künstler nicht wenig stolz war. „In der großen Stadt meine achtzig kleinen, meisterlich bezeichneten Zettel, gekleckert und gepfüzt, im Januar eines Jahres, das sich mir zum Leben dehnen soll. Ich bin so glücklich“, schrieb er in seinem Erinnerungsbuch „Svanshall Verkehrt“.

Darin findet sich völlig unkommentiert auch Mayas Brief, in dem von der großen Freude die Rede ist, Janssen entdeckt zu haben. Sie bedankt sich überschwänglich für seine Existenz und dass er sie an seiner Arbeitsfreude teilhaben lasse. Dass kein Adressat auf dem Brief steht, sollte nicht verwundern: Er wurde Janssen über den Galeristen Antoine Berggruen zugespielt.

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„Dieser Brief war ein enormes Kompliment für ihn und hat ihn sehr gefreut“, erinnert sich Birgit Jacobsen. Jahrelang hing das Original im Haus des Künstlers. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte die aktuelle Schau daher etwas anders ausgesehen: Sie wollte am liebsten die Arbeiten beider Künstler gegenüberstellen. So ganz abwegig ist der Ansatz nicht: Über fast drei Jahrzehnte – in den 50er, 60er und 70er Jahren – waren Picasso und Janssen Kollegen, die zum Teil mit denselben Techniken arbeiteten und dem Gegenstand verpflichtet waren. „Wir hätten das konstruiert“, sagt Jutta Moster-Hoos, aber die Kollegen des Picasso-Museums in Münster, die Leihgeber der Oldenburger Schau, „wollten nichts davon wissen“.

So bleibt eine schöne Picasso-Ausstellung, die noch bis Ende des Monats zu sehen ist – und die Vermutung, dass es Janssen selber aus Respekt abgelehnt hätte, seine Arbeiten neben die des Spaniers zu hängen. Er wird gewusst haben, dass man bei manchen Vergleichen nur verlieren kann.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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