OLDENBURG Dunkel ist die Weser-Ems-Halle nach der Pause. Eckhart von Hirschhausen (Bild: dpa) leuchtet mit der Taschenlampe über die vollbesetzten Stuhlreihen und singt zu dezenter Klavierbegleitung: „Irgendwo auf der Welt, gibt’s ein kleines bisschen Glück, und ich träum’ davon in jedem Augenblick.“ Deutlicher geht es nicht mehr: Hirschhausen bringt mit seinem medizinischen Kabarett-Programm „Glücksbringer“ Licht ins Dunkel, schließlich nimmt er sich eines komplexen Themas an: dem Glück. Eng damit verbunden ist die Frage, warum wir so gut darin sind, das Glück zu suchen – uns aber so schwer damit tun, es zu finden.

Verträumt singt der promovierte Mediziner den Klassiker der Comedian Harmonists zu Ende, nur um wenig später anzufügen: „Eigentlich ein ziemlich dummes Lied. Es bringt nämlich gar nichts, auf sein Glück zu warten, man muss aktiv werden, um es zu finden.“

Und Hirschhausen wird in dem zweieinhalbstündigen Programm aktiv, ist geradezu beseelt davon, dass sein Publikum an diesem Abend auch den Weg ins Glück findet: „Wenn Sie auch heute nur einen einzigen guten Gedanken, eine einzige gute Anregung mitnehmen, wie man glücklich wird, dann hat es sich schon gelohnt.“

Um dieses Ziel zu erreichen, zitiert er Karl Jaspers: „Wenn man sich mit dem Unvermeidlichen anfreundet, dann wird man unvermeidlich glücklich“ Das scheinbar Schwierige – also das Glücklichsein – scheint bei Hirschhausen so unendlich einfach: „Wenn Sie mal wieder Probleme haben mit Ihrer Figur, dann gehen Sie in die Sauna! Dort sehen Sie den Menschen, wie Gott ihn schuf und McDonalds ihn formte.“

Gern nimmt Hirschhausen die Geschwindigkeit aus seinem Programm, schlägt ernste Töne an. Er ruft zur Vorsorgeuntersuchung gegen Darmkrebs auf, rät von der Tiefenpsychologie ab, warnt vor Esoterik und anthroposophischen Heilern, die Krankheit als Zeichen des Karmas deuten.

Seit eineinhalb Jahrzehnten macht Hirschhausen nun medizinisches Kabarett – „als ich damit anfing, haben mich meine Ärztekollegen gefragt, ob man davon leben könne. Heute kann ich sie das Gleiche fragen“ –, seine Bücher nehmen Spitzenpositionen in den deutschen Bestseller-Listen ein. Dass sein Programm dabei oftmals einen Wohlfühlfaktor bekommt und einer großen Gruppentherapie ähnelt, weiß Hirschhausen natürlich selbst: „Was ich Ihnen heute Abend erzählt habe, das erzählt man auch in einer psychosomatischen Klinik. Nur hätte ich da ein paar Jahre dafür gebraucht, weil ich es jedem einzelnen erzählen müsste“. Dennoch merkt man dem Humoristen an, dass er immer noch dem hippokratischen Eid verbunden ist, ihm das Wohl seines Publikums am Herzen liegt.

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