New York Es ist keine besonders einfache Ausgabe, aus weniger als ein paar Seiten Märchen einen abendfüllenden Spielfilm zu drehen – und doch haben sich in der Vergangenheit schon rund 20 Regisseure an einer Adaption von „Hänsel und Gretel“ versucht. Vor sieben Jahren hatte es dabei eine überdrehte und actionlastige Version mit Hollywood-Star Jeremy Renner („The Hurt Locker“) sogar auf ein Einspiel von rund 220 Millionen Dollar gebracht. Deutlich düsterer und atmosphärischer ist dagegen das, was Regisseur Oz Perkins jetzt in der neuesten Verfilmung des Stoffs im Sinn hat.

Sein Geschwisterpaar muss sich durch eine graue Welt voller Armut schlagen, in der die Suche nach Nahrung und Arbeit die junge Gretel und ihren kleinen Bruder Hänsel zwingt, das Elternhaus zu verlassen. Nachdem sie orientierungslos durch den Wald ziehen, stoßen sie eines Tages auf ein Haus, in dem schon ein verlockendes Festmahl auf dem Tisch dampft.

Perkins dreht dabei den Titel des Grimm’schen Märchens um zu „Gretel & Hänsel“ und unterstreicht damit von Anfang an, dass es ihm in erster Linie um Gretel geht. Sie ist hier die große Schwester auf dem Sprung zur Frau, gespielt von Sophia Lillis, bekannt als sommersprossiges Mitglied der Freundesclique im extrem erfolgreichen Stephen-King-Horror-Blockbuster „Es“. Alice Krige, einst berühmt geworden als Königin der Borg in „Star Trek – Der erste Kontakt“, spielt die düstere Hexe Holda, die Gretel an ihre Macht als Frau erinnert. In der Spannung zwischen diesen beiden weiblichen Hauptcharakteren bleibt Neuling Samuel Leakey in seinem Film-Debüt als Hänsel deutlich weniger zu tun.

Ohnehin setzt Perkins nicht auf Haudrauf-Horror. Stattdessen macht er aus dem übersichtlichen Märchen über die Vorsicht vor Fremden und die Gewieftheit von Kindern einen Film mit Hang zur Fantasy. Viele Einstellungen wirken wie Gothic-Gemälde, die behutsamen Bild-Kompositionen sind sehr stimmig und einen Blick wert.

Sie können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film relativ unentschlossen die Spannungsschrauben anzieht und locker lässt. Ohne wirklich überzeugendes erzählerisches Ziel geraten am Ende selbst 87 Minuten Laufzeit an dieser Stelle deutlich zu langatmig.

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