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OLDENBURG Ein Amerikafreund ist der Jazzgitarrist Jim Hall (77) nur sehr bedingt. „This Government is schrecklich“, erklärt der überzeugte Pazifist in einem Sprachen-Mischmasch und weist seinem Heimatland zudem eine Hauptschuld an der globalen Klimaerwärmung zu.

Auch die Nummer „Americana“, ein vom Ansatz her anspruchsvolles Stück mit Tiefgang und Sensibilität, kündigt er ironisch, mit fast spöttischem Unterton an. Kein Zweifel: Als notorischer Ja-Sager oder gar unkritischer Opportunist ist der Mann denkbar ungeeignet.

In Fachkreisen gilt Hall längst als einer der größten Instrumentalisten seines Metiers. Seinem Spiel auf der Gitarre werden grandios-kommunikative Fähigkeiten nachgesagt.

Hall hat den Ruf, mit seiner Musik, seinen Bandkollegen und namhaften Kollegen in einem permanenten Dialog zu stehen, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Studio und bei privaten Treffen.

Worüber man so spricht, in diesen Kreisen? Auf jeden Fall nicht nur über Musik, wie die kleinen Einwürfe des großen Jazzmusikers zu Fragen der Weltpolitik beweisen.

Dennoch regiert am Montagabend im Oldenburger Veranstaltungszentrum PFL vor allem seine Gitarre, ein riesiges, wunderschönes Halbakustik-Modell, das er mittels kleiner Effektgeräte von Zeit zu Zeit in Ton und Ausdruck verfremdet.

Mal schiebt er ihr ganz im Stile eines Pat Metheny eine Oktavierung der Noten unter. Dann wiederum addiert das knallrote Effektpedal den Fingersätzen etwas Echo hinzu, sodass seine phasenweise spröden Akkorde ein breiteres Fundament bekommen.

Zur Seite stehen ihm in seiner aktuellen Band der Pianist Geoffrey Keezer und der Bassist Scott Colley, beides außergewöhnliche Virtuosen, die in der Szene selbst als Stars anerkannt sind. Dieses Trio, das auch ohne Schlagzeug höchst rhythmisch musiziert, wirft sich musikalisch die Bälle zu, gibt jedem Einzelnen die Möglichkeit zur freien Entfaltung, um schon im nächsten Moment gemeinsam an einer atmosphärischen Dichte der Kompositionen zu arbeiten.

Nichts von dem, was Jim Hall spielt, ist leichte Kost oder gar profan. Wohlüberlegt sucht er seine Akkorde und Töne aus, ebenso wie die Lieder, die zwischen Blues und Hardbop, zwischen Balladen und Querverweisen auf den Modern Jazz variieren.

Der Mann spricht wenig und sagt doch viel. Zum Beispiel über die Ästhetik des Jazz, ihren Tiefgang und ihre unendlichen Ausdrucksmöglichkeiten, die nur eines erfordern: Die Mühe des konzentrierten Zuhörens.

Diese nimmt sich das Publikum im PFL und kann sich am Ende des Abends wohl nur darüber wundern, wie nachhaltig ein mit 75 Minuten Spielzeit vergleichsweise kurzer Auftritt wirken kann.

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