London Einer dieser uralten Bassisten-Witze ging so: Wie nennt man die Typen, die immer mit Musikern herumhängen? Antwort: Bassisten.

Bassisten, das waren diese Typen, die kein richtiges Instrument gelernt hatten. Denen der Gitarrist drei, vier Grundtöne gezeigt hatte, damit die Band ein bisschen fetter klang. Die ansonsten niemand wirklich hören konnte.

Bis Jack Bruce kam.

Er schnallte sich seinen roten Gibson-EB1-Bass um, stellte am Verstärker alle Regler selbstbewusst auf Nebelhorn und schob den Rest der Band in einer gewaltigen Bugwelle einfach vor sich her. Fortan war kaum noch Platz für andere Musiker, folgerichtig gründete Bruce das erste Power-Trio der Rockgeschichte: Cream. Gitarre, Schlagzeug, Bass – Bruces Bass. Mehr brauchte es nicht.

Jack Bruce, geboren 1943 in Schottland, hatte ein richtiges Instrument gelernt. Er studierte Cello an der Musikhochschule, bis ihn die strengen Regeln der klassischen Lehre langweilten. Er spielte Kontrabass in Jazzkneipen, danach wechselte er zum E-Bass. Der Kontrabass war ihm zu leise geworden.

Sein Gibson forderte nun bei Cream die Lufthoheit ein, die ihm Gitarrist Eric Clapton natürlich nicht kampflos überlassen wollte. In endlosen Improvisationen rangen Bass und Gitarre um die Melodieführung, angefeuert von Ginger Bakers schweren Trommelschlägen. Welthits wie „Sun­shine Of Your Love“ und 35 Millionen verkaufte Schallplatten waren die Folge.

Aber so etwas beeindruckt vielleicht Typen, die Popstars sein wollen. Nicht aber einen Musiker wie Jack Bruce.

Sein Bass wollte mehr. Auf Bruces erstem Solo-Album „Songs For A Tailor“ dirigierte er nun knurrend Klaviere, Bläser, Orgeln. Später umgarnte er, bundlos säuselnd, die Improvisationen des Avantgarde-Künstlers Kip Hanrahan. Er trieb Lou Reed zu neuen Tönen. Carla Bley. Frank Zappa. Tony Williams.

Muss man betonen, dass Jack Bruce, dieser vielleicht beste Bassist der Rockgeschichte, auch ein großartiger Songwriter war? Und ein vielleicht noch besserer Sänger?

Jack Bruce starb am Sonnabend mit 71 Jahren an einem Leberleiden. Seine Musik ist zum Glück unsterblich.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.