Oldenburg Literarische Preise gibt es viele, aber einige sind besonders: Der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis, der Kibum-Preis, ist so einer. Als „Mutmacher“ und „Motivator“ für eine erfolgreiche Karriere nach dem gelungenen Debüt ist er gedacht. Erneut hat sich die Jury nicht für ein Manuskript, sondern für ein bereits erschienenes Buch entschieden: Die 1981 in Hamburg geborene Autorin Lara Schützsack erhält die mit 7600 Euro dotierte Auszeichnung für den Roman „Und auch so bitterkalt“ (KJB Fischer).

Am Mittwochabend wurde ihr der Preis – er zählt zu den bundesweit höchstdotierten Auszeichnungen der Kinder- und Jugendliteratur – von Oberbürgermeister Jürgen Krogmann im Horst-Janssen-Museum überreicht. Lara Schützsacks Roman wurde unter 303 Einsendungen ausgewählt, darunter 89 bereits verlegte Werke und 124 Manuskripte. Rund zwei Drittel wurden von Frauen verfasst, vier waren nominiert.

In Rezensionen ist das längst im Handel erhältliche Buch schon mal als „Magersuchts-Roman“ bezeichnet worden. Was die Sache aber verkürzt und nur bedingt zutrifft: Als ein Roman „über Grenzgänger“ bezeichnet ihn die Autorin selbst. Geholfen habe ihr das Drehbuchstudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Dort habe sie gelernt, eine Geschichte zu Ende zu erzählen und eine Struktur zu finden, sagt sie.

So wurde aus der Idee zunächst eine Kurzgeschichte, dann ein Drehbuch und schließlich ein Roman über die rebellische, lebenshungrige Lucinda, die ihrem Namen entsprechend leuchtet wie ein Stern und am Ende ebenso verglüht. Erzählt wird die Geschichte der 17-Jährigen – die fünfköpfige Jury verglich sie mit der „Lebens- und Selbstzerstörungswut einer Janis Joplin“ – von ihrer jüngeren Schwester, die beobachten, aber nicht helfen kann.

„Rigorose Helden dieser Art gab es in der Literatur schon oft. Im Jugendroman ist eine Lucinda eher Neuland. Bitte mehr davon!“, fasste Robert Elstner die Wahl der Jury zusammen. Und die Düsseldorfer Autorin Aygen-Sibel Çelik lobte in ihrer Laudatio „die einzigartige Sprache“ der Autorin, die auf den Leser einen „unausweichlichen Sog“ ausübe und ihn in einen Strudel der Konflikte ziehe.

Nicht mehr Fantasy, sondern Auseinandersetzungen mit ernsten Themen wie Verlust, Tod und Krankheit, aber auch Jugendprobleme und Freundschaft beherrschten nach Darstellung von Nadia Budde, Autorin und Illustratorin aus Berlin, in diesem Jahr die Einsendungen für den Kibum-Preis.

Lara Schützsacks psychologisch spannender, geradezu filmisch aufgebauter Roman ist daher exemplarisch. Allerdings ist er auch nicht leicht zu konsumieren – ein mitunter verstörendes Jugendbuch, das eher für Erwachsene gedacht zu sein scheint. Offenbar vorbei die Zeiten von Pippi Langstrumpf oder der „Kleinen Hexe“: Roman-Heldinnen in der modernen Jugendliteratur haben von all ihren selbstbewussten Vorgängerinnen etwas mitbekommen und sehen doch ganz anders aus.

Regina Jerichow Stellv. Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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