Oldenburg Daran ist viel Wahres, dass der Prophet (oder Künstler) im eigenen Land nichts gilt. Anders Franz Radziwill (1895–1983). Gerade sind zwei Gemälde des Dangaster Malers auf Weltreise, um in Venedig und anschließend in Los Angeles als Exponate einer großem Ausstellung zur Neuen Sachlichkeit präsentiert zu werden, da kommt Oldenburgs Museumsdirektor Rainer Stamm mit der Nachricht von einer Neuerwerbung: Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte konnte drei gemalte Postkarten von Radziwill ankaufen.

Nun mag manch Laie einwenden, dass sich Postkarten kaum mit Gemälden vergleichen lassen. In der Tat sind die Künstlerpostkarten ein sehr spezielles Genre. Vor allem die Maler des Expressionismus verschickten die Unikate, die heute enorm im Wert gestiegen sind, an ihre Förderer und Sammler.

Mehr als 100 Werke

Für Stamm ist die „künstlerische Direktheit“ eine besondere Qualität dieses spontanen Mediums – „ein Bild auf kleinstem Format“. Sein Museum verfüge über einen kleinen, „aber exzellenten Bestand“ an gemalten Künstlerpostkarten, insbesondere aus dem Umkreis des Dangaster Expressionismus.

Die Sammlung – für ihn ein „Alleinstellungsmerkmal“ des Museums – konnte er in diesen Tagen um drei Postkarten Radziwills ergänzen, darunter eine, die an den Oldenburger Kunstsammler Ernst Beyersdorff (1885–1952) adressiert war und in Dangast gestempelt wurde. Zu verdanken ist das privaten Sponsoren und der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg. Über den Preis schweigt sich Stamm aus.

Privater Nachlass

Die drei neu erworbenen Künstlerpostkarten von Franz Radziwill stammen aus einem privaten Nachlass. Eine ist an Ernst Beyersdorff adressiert, die andren an Fritz Hassler. Sie sollen in einer Holzvitrine im Prinzenpalais präsentiert werden.

Der Maler ist in der Region prominent vertreten: im Dangaster Franz-Radziwill-Haus, in der Emder Kunsthalle, die als Dauerleihgabe ein großes Radziwill-Konvolut aus dem Nachlass von Claus Hüppe erhalten hat, und im Oldenburger Landesmuseum. Nach den Worten von Stamm gibt es „kein Museum weltweit, das über einen größeren Bestand an Radziwill-Werken verfügt“. Er beziffert ihn auf mehr als 100 Werke.

Dauerhaft gezeigt werden derzeit 27. Bis auf zwei Arbeiten sind sie in der Galerie Neuer Meister im Prinzenpalais zu sehen, weil Radziwill „in die Kunstgeschichte der Moderne gehört“. Dort wird er in die verschiedenen Etappen integriert, für die er wichtig ist: Er findet Anschluss an den expressionistischen Aufbruch in Dangast mit seinem Frühwerk und markiert „die drastische Kehrtwende vom expressionistischen Furor zur beruhigten Neuen Sachlichkeit, die bei ihm dann in den Magischen Realismus umschlägt“.

Kontinuierlich vergrößert

Es gebe kein Haus, das einen größeren Bestand an Werken des Malers permanent zugänglich mache, sagt Stamm, um gleich darauf zu betonen: „Wir sind kein Franz-Radziwill-Museum“. Wie es sich für ein Landesmuseum gehöre, sei der Künstler eine „besondere, herausragende Position“. Seit 1923 sei die Sammlung kontinuierlich in jedem Jahrzehnt vergrößert worden. Dennoch wolle er nicht die eine Position gegen eine andere ausspielen.

Er selbst hat zehn Jahre lang an einem monografischen Museum gearbeitet, als Direktor des Paula-Modersohn-Becker-Museums in Bremen. Er kenne die Chancen und Problematik eines solchen Hauses, sagt Stamm. Es habe den Vorteil, dass es stets ein „Grundrauschen“ der Interessenten und Freunde des jeweiligen Künstlers gebe. Gleichwohl bestehe immer auch die Gefahr, das Publikum auf Dauer zu ermüden. Alle wichtigen Themen zu Radziwill würden bereits jedes Jahr in Dangast mit einer neuen Ausstellung und in „exzellenter Qualität“ erarbeitet.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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