DEN HAAG DEN HAAG - „Was für ein Durcheinander!“, beschwert sich eine Amerikanerin, die offensichtlich zum ersten Mal dabei ist. Hat sie eine gesetzte Veranstaltung mit brav strukturiertem Programm erwartet? Auf dem „North Sea Jazz Festival“, das jetzt zum 30. Mal im Den Haager Kongressgebäude stattfand und schon im Vorfeld restlos ausverkauft war, läuft das, wovon ein mittelgroßer New Yorker Club einige Monate lang existieren könnte, komprimiert an drei Tagen parallel ab.

Inmitten der Stimmung zwischen Konzerthalle und Volkfest schoben sich die Besucher folglich einmal mehr zu Tausenden über Flure und Treppen, harrten in zum Schneiden dicker Luft bis weit nach Mitternacht aus und schauten auf die Tagespläne. Die vorherrschende Frage dabei: „Wer spielt wann und wo?“

Chaka Khan zum Beispiel. Die Soul-Diva trat mit dem Metropole Orchestra in der großen Statenhal auf und begeisterte mit zahlreichen Klassikern („Goldfinger“) und eigenen Hits („I’m Every Woman“) im Breitwand-Arrangement.

Der Stimmvirtuose Bobby McFerrin überraschte wenig später auf einer anderen Bühne zusammen mit dem Randy Weston Quintet. Die Formation des Pianisten untermalte McFerrins Vokalakrobatik gekonnt mit afrikanisch gefärbtem Spiel und bot improvisatorische Meisterleistungen.

Den runden Geburtstag feierten unter anderem Joe Zawinul und George Duke. Zawinul trat mit einer Besetzung an, die nahezu ausnahmslos aus Gewinnern des in Den Haag verliehenen „Bird Awards“ bestand. Neben dem belgischen Harmonika-Veteranen Toots Thielemans fanden sich so illustre Gäste wie John Scofield und Greetje Kauffeld auf der Bühne ein.

Der Keyboarder und Produzent George Duke leitete die „30th Anniversary Supersession“ mit Roy Hargrove und Stanley Clarke, zu der sich etliche tausend Besucher in die Statenhal locken ließen.

Der Saxofonist Maceo Parker setzte schließlich den zeitlich wie symbolischen Schlussakkord des Festivals, denn die traditionsreiche Veranstaltung steht nunmehr vor einem Wendepunkt.

Das „North Sea Jazz Festival“, für viele Besucher und Bewohner Den Haags kaum mehr aus der niederländischen Regierungshauptstadt wegzudenken, zieht im nächsten Jahr aus organisatorischen Gründen nach Rotterdam. Zahlreiche Stammgäste äußerten sich bereits im Vorfeld kritisch zum Umzug in die ungleich hektischere Hafenmetropole, andere wiederum werden sich möglicherweise erst am neuen Standort wirklich wohl fühlen.

Vielleicht auch die verärgerte Amerikanerin, der schließlich ein geduldiger Ordner zu Hilfe kam. Dem Veranstalter zufolge sollen nämlich Qualität, Ambiente und Besucherzahlen von bis zu 23 000 pro Tag ohne Veränderung in die neue Spielstätte Ahoy’ übernommen werden – bei größerem Gelände allerdings.

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