BERLIN BERLIN - Hitler heult oft, ist impotent und leidet noch immer unter den Misshandlungen seines Vaters. Als ob das nicht genug wäre, ist der „totale Krieg total verloren“. Hitler war ein menschenverachtender Diktator – aber auch eine zutiefst lächerliche, armselige Figur. Es ist wird also Zeit, dass wir anfangen über ihn zu lachen, meint Dani Levy, ein Schweizer Jude. Er hat jetzt erstmals eine aufwendig inszenierte, deutschsprachige Komödie über Hitler gedreht, die am 11. Januar in die Kinos kommt.

In den Hauptrollen sieht man Helge Schneider als Hitler und Ulrich Mühe als sein Schauspiellehrer Adolf Grünbaum. Hitler ist ein Häufchen Elend. Auf keinen Fall ist der „Führer“ so in der Lage, sein Volk mit einer Rede zum „Endsieg“ zu motivieren. Propagandaminister Goebbels (glänzend schmierig: Sylvester Groth) lässt deshalb Grünbaum aus dem KZ holen. Er soll aus Hitler wieder den Hass herauskitzeln. „Wo haben wir Sie denn aufgestöbert“, fragt Goebbels. „Sachsenhausen“, antwortet Grünbaum. „Das mit der Endlösung müssen sie nicht persönlich nehmen“, sagt Goebbels jovial.

Im deutschen Film trat Hitler vor zwei Jahren erstmals in Bernd Eichingers Bunker-Film „Der Untergang“ auf. Unwillkürlich vergleicht man den bei Eichinger von Bruno Ganz gespielten Hitler mit Schneider. Doch wo Eichinger auf historische Fakten setzte, geht Levy („Alles auf Zucker!“) weiter. „Ich will die zersetzen, ich will die runterholen von jeder Form von Glaubwürdigkeit, Größe und denkmalgeschützter Steinernheit“, sagt er über die in seinem Film zu Lachnummern mutierten Nazi-Größen.

Levy will an die Tradition von Filmen wie Chaplins „Der große Diktator“, Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ oder Benignis „Das Leben ist schön“ anknüpfen. Um ganz große Kunst zu sein, fehlt Levys „Führer“ aber das Quäntchen Bissigkeit, die entscheidende Mischung von Komik und Tragik.

Levys Film lebt eher von witzigen Details. Da gibt es zum Beispiel Hitlers Schäferhund Blondi, der brav die Pfote zum Hitlergruß hebt. Hauptdarsteller Schneider distanzierte sich indes gestern vom Film: „Es geht nur noch darum, wie Hitler gesehen werden soll: nämlich als Schwächling. Das ist mir zu profan“, sagte der Komiker. Der Film sei im nachhinein entsprechend verändert worden. Dies wiederum wiesen die Produzenten zurück.

Am 8. Januar (23.15–0.00 Uhr) zeigt der WDR eine Dokumentation zu dem Film „Mein Führer“ unter dem Titel „Spaß mit Hitler?“

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