Frankfurt /Main Sie ist wohl die einzige Frau, die James Bond zum Weinen brachte: Als „M“, die Chefin des britischen Geheimdienstes, in den Armen ihres Top-Agenten in „Skyfall“ 2012 ihr Leben aushaucht, kann 007 eine Träne nicht unterdrücken. Judi Dench mit grauem Bürstenhaarschnitt und stechendem Blick war die erste Frau in dieser Rolle – die nun mit Ralph Fiennes wieder mit einem Mann besetzt ist.

In „Golden Eye“ (1995), ihrem ersten von sieben Bond-Filmen, beschimpft sie Pierce Brosnan in der Rolle des 007: „Sie sind ein sexistischer, frauenfeindlicher Dinosaurier.“ Daniel Craig dagegen wirkt wie ein geläuterter Sohn, in dessen Armen die tote Übermutter liegt.

Judith Olivia Dench, die am 9. Dezember 85 Jahre alt wird, ist aber mehr als Geheimdienstchefin „M“: In Großbritannien hat sie sich vor allem als Shakespeare-Darstellerin im Theater einen Namen gemacht, gilt als große alte Dame der Schauspielkunst. Das Fachmagazin „The Stage“ kürte sie 2010 zur „besten britischen Theaterschauspielerin aller Zeiten“.

1934 in York im Nordwesten von England geboren, wuchs sie mit vier Geschwistern in einem streng religiösen Arzt-Haushalt auf. Nach ihrem Abschluss an der Schauspielschule schloss sie sich der „Royal Shakespeare Company“ an, gehörte zum Ensemble des National Theatre und des traditionsreichen „Old Vic Theatre“ in London.

Das professionelle Debüt hatte sie 1957 als Ophelia in „Hamlet“. Mit 25 Jahren erlebte sie ihren Durchbruch auf dem Theater in der Titelrolle von „Romeo und Julia“. Judi Dench war in mehr als 70 Theaterproduktionen zu sehen, hinzu kommen ungezählte Auftritte in Filmen.

In James Ivorys „Zimmer mit Aussicht“ spielt sie mit Helena Bonham Carter und Maggie Smith. Zusammen mit Joan Polwright sitzen die drei in dem dokumentarischen Film „Tea with the Dames“ (2018) an einem Tisch und plaudern aus ihrem Leben.

Zur „Dame Commander of the British Empire“ wurde Judi Dench schon 1988 vom Königshaus geadelt. Es ist die höchste von mehreren Dutzend Auszeichnungen, die sie im Laufe ihres Lebens erhielt. Darunter war allein siebenmal der „Laurence Olivier Award“, der wichtigste britische Theaterpreis.

Judi Dench ist geradezu prädestiniert für die Rolle der starken Frau. Gleich dreimal war sie als englische Königin zu sehen. In John Maddens „Ihre Majestät Mrs. Brown“ findet Queen Victoria nach dem Tod ihres Mannes Unterstützung von dem treuen schottischen Diener John Brown, was bei Hofe Unruhen und Intrigen auslöst. Der Film war der Beginn von Judi Denchs internationaler Karriere. In „Victoria & Abdul“ erzählt Stephen Frears von der Freundschaft Queen Victorias mit dem jungen Inder Abdul Karim, der sie bis an ihr Sterbebett begleitet.

Den einzigen „Oscar“ erhielt Judi Dench ausgerechnet für eine Nebenrolle: Im Jahr 1999 wurde sie für ihren achtminütigen Auftritt als Königin Elisabeth I. in John Maddens „Shakespeare in Love“ ausgezeichnet. Fünfmal war sie für eine Hauptrolle nominiert, unter anderem für ihre berührende Darstellung der an Alzheimer erkrankten englischen Schriftstellerin Iris Murdoch („Iris“, 2001).

Das Privatleben der bekennenden Quäkerin ist für die Klatschpresse wenig ergiebig: Im Jahr 1971 heiratete sie den Schauspieler Michael Williams, mit dem sie auch auf der Bühne stand und in der Sitcom „A Fine Romance“ zusammen spielte. Ein Jahr später kam Tochter Tara Cressida Frances zur Welt, die unter dem Namen Finty Williams ebenfalls als Schauspielerin arbeitet. Michael Williams starb 2001.

Eine schwere Augenkrankheit hat Judi Dench inzwischen fast erblinden lassen. Ihre Schaffenskraft hat das aber offenbar kaum eingeschränkt. „Ich will nicht in eine Schublade gesteckt werden, auf der ,Achtzigjährige‘ steht“, sagte sie in diesem Sommer. Für das nächste Jahr sind gleich drei neue Filme mit ihr angekündigt.

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