Frankfurt Als Chet Baker am 13. Mai 1988 gegen drei Uhr morgens aus dem Fenster eines Amsterdamer Hotels fällt, ist er sofort tot. War es ein Unfall im Drogenrausch, hat jemand den 58-jährigen Musiker gestoßen, beging er Suizid? Die Umstände wurden nie aufgeklärt. Bis heute ist Baker eine Legende als Jazztrompeter, seine Karriere dauerte fast 40 Jahre an. Auch sie war eine Achterbahnfahrt zwischen Konzerten und Knast. Vor 90 Jahren, am 23. Dezember 1929, wurde er als Chesney Henry Baker im US-amerikanischen Yale geboren.

Noch Jahrzehnte nach seinem Tod inspiriert Baker Musikerkollegen, es erscheinen Bücher und Filme über ihn. Auf der Kinoleinwand spielte Ethan Hawke den Trompeter in „Born to be Blue“ (2015) von Robert Budreau. Der deutsche Star-Trompeter Till Brönner huldigte seinem Vorbild mit dem Album „Chattin with Chet“ (2000). Und der Krimiroman „Auf der Suche nach Chet Baker“ des Autors und Jazzmusikers Bill Moody versucht, die Umstände seines Todes zu ergründen.

Kaum jemand verstand es, so melancholisch und zugleich so lässig Trompete zu spielen wie Chet Baker: Mit Stücken wie „My Funny
Valentine“ oder „Alone Together“ war er weit über das traditionelle Jazz-Publikum hinaus populär. Baker war die perfekte Verkörperung des „Cool Jazz“ – des entspannten Sounds des sonnigen Lebens an der Westküste. Seine Maxime war es, „die Sachen einfach zu halten und nicht zu viele Noten zu spielen“, so beschrieb er es in seinen posthum veröffentlichten Erinnerungen „Als hätte ich Flügel“.

Seine erste Trompete bekam er mit elf Jahren von seinem Vater, einem mäßig erfolgreichen Countrymusiker. Das Instrument faszinierte ihn sofort. Es war „Liebe auf den ersten Blick“, sagte Baker im 1988 erschienen Dokumentarfilm „Let’s Get Lost“.

In seinen jungen Jahren genoss er das Leben als Popstar: Filmstudios in den USA und Europa umwarben ihn mit Rollenangeboten. Wegen seines makellosen jugendlichen Gesichts sowie seiner Vorliebe für schnelle Autos und schöne Frauen galt der Musiker auch als „James Dean des Jazz“.

Mit den Superstars teilte Baker aber noch eine weitere Eigenschaft: den Hang zur Selbstzerstörung. In späteren Jahren wechselten sich musikalische Triumphe mit Schlagzeilen über Drogen, Entziehungskuren und Verhaftungen ab.

Sein letztes Konzert wurde in Deutschland aufgenommen, 1988 in Hannover. Es war zwei Wochen vor seinem Tod, und Baker zeigte noch einmal sein Ausnahmetalent. Zu den Proben mit der NDR Bigband und dem Rundfunkorchester soll er nicht aufgetaucht sein. Beim Konzert war er dann jedoch pünktlich zur Stelle und spielte wie in besten Zeiten. Die Aufnahme „The Last Great Concert“ wurde nach seinem Tod veröffentlicht. Dort ist noch mal sein Hit „My Funny Valentine“ zu hören – in einer selten zuvor gehörten Intensität.

Über Chet Baker:Biografie „Als hätte ich Flügel – verlorene Erinnerungen“, Hannibal Verlag 1998; Hörbuch Marcus A. Woelfle: „Chet Baker Story“ (gelesen von Rufus Beck); Filme „Born to be Blue“, 93 Minuten, DVD; „Let’s Get Lost“, 119 Minuten, DVD; Musik: The Last
Great Concert: My Favorite Songs Vol. I & II (Enja, 2 CD)

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