Frankfurt A.m. Ulrich Tukur ist nicht nur ein hervorragender Schauspieler – er ist auch Gründer und Bandleader der Musikgruppe „Die Rhythmus Boys“. Und vor einigen Jahren überraschte er seine Fans zudem als Literat: Ein Band mit Erzählungen und eine Novelle sind erschienen. Am bekanntesten wurde er wohl als „Tatort“-Ermittler Felix Murot und als Stasioffizier Anton Grubitz in dem Oscar-prämierten Film „Das Leben der Anderen“. Am 29. Juli wird Ulrich Tukur 60 Jahre alt.

Ulrich Tukur als der deutsche General Erwin Rommel Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Geboren ist er 1957 als Ulrich Gerhard Scheurlen im hessischen Viernheim, Tukur ist ein Künstlername. Nach Wanderjahren durch mehrere Theater und Städte lebt er seit 1999 mit seiner zweiten Frau, der Fotografin Katharina John, in Venedig auf der Insel Giudecca und in einem Dorf in der Toskana. Mit seiner ersten Frau Amber Wood hat er zwei Töchter, die in den USA leben.

Regisseur Peter Zadek engagierte Tukur direkt nach dessen Schauspielausbildung in Stuttgart schon 1984 als SS-Mann Kittel in Joshua Sobols „Ghetto“. Diese erste große Rolle, der erste große künstlerische Erfolg, wurde prägend für seine weitere Schauspieler-Laufbahn. Tukur hat immer wieder, vor allem im Film, zwiespältige oder negative Charaktere dargestellt. Er spielte Andreas Baader in „Stammheim“ oder den Wehrmachtsgeneral Erwin Rommel, aber auch den protestantischen Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Ein besonderer Fall war der Film „Die Auserwählten“ (2014), in dem es um die Misshandlung von Schülern durch ihre Lehrer geht, angelehnt an die Vorgänge an der Odenwaldschule. Deren Direktor Gerold Becker, im Film Simon Pistorius, spielte Tukur durchaus differenziert.

In seiner Rolle als Bernhard Grzimek: Ulrich Tukur Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

„Letzten Endes“, sagte Tukur dem Portal „Spiegel online“, „kreise ich, egal, ob ich politische oder pädophile Verbrecher spiele, stets um das Rätsel der Verführung. Der Mensch ist ein Abgrund, ich will hineinschauen.“ Hitler allerdings hat er – anders als Bruno Ganz – nicht gespielt, würde er nie spielen, wie der dem „Spiegel“ sagte.

Tukurs Bühnenrollen waren anspruchsvoll, aber eher traditionell. Am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, wo er von 1985 bis 1995 zum Ensemble gehörte, spielte er Marc Anton in Shakespeares „Julius Caesar“, Alwa Schön in Wedekinds „Lulu“ oder die Titelrolle in „Hamlet“. Schon 1986, mit nicht einmal 30 Jahren, wurde er in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gewählt. Bei den Salzburger Festspielen übernahm er von 1999 bis 2001 die Rolle des „Jedermann“.

Mit dem Einstieg beim „Tatort“ erarbeitete er sich noch mal eine neue Rolle, die des Wiesbadener Kommissars Felix Murot. Sieben Mal hat er seit 2010 in der ambitionierten und experimentierfreudigen „Tatort“-Reihe des Hessischen Rundfunks diese Rolle gestaltet. Vor allem die Folge „Im Schmerz geboren“ (2014) wurde heiß diskutiert – eine Rachegeschichte, die Mittel des Theaters und des Films virtuos mischt. Shakespeare trifft auf Sergio Leone, Quentin Tarantino und „Jules und Jim“ von Truffaut.

Die Konzerte und Tourneen mit den Musikern der Tanzkapelle „Rhythmus Boys“ sind für Tukur sicher ein Gegenpol zum Stress der Dreharbeiten. Er spielt Klavier und Akkordeon und singt. Deutschlandfunk Kultur rühmte den Witz der Gruppe, den es derzeit „von kaum einer anderen modernen Unterhaltungskapelle“ gebe. Die meisten Stücke stammen aus den 1920er bis zum Ende der 1940er Jahre. In diesem Jahr machen die Musiker mehrere Tourneen, die interessanteste führte im Frühjahr nach Budapest, Belgrad und Ljubljana.

Als Tatort-Kommissar Felix Murot war Ulrich Tukur schon oft zu sehen. Foto: Boris Roessler/dpa

Die Musik, sagte Tukur einmal, stehe in seiner künstlerischen Arbeit an erster Stelle, gefolgt von den eigenen Büchern, erst dann kommen Theater sowie Film und Fernsehen. Seine beiden Bücher, die venezianischen Geschichten „Die Seerose im Speisesaal“ (2008) und die Novelle „Die Spieluhr“ (2013) erinnern an die subtile Erzählkunst vergangener Zeiten. Sie vermischen Fantasie der Spätromantik mit Realität des 20. Jahrhunderts.

In einem Venedig noch ohne Touristen porträtiert Tukur in „Die Seerose im Speisesaal“ Venezianer von heute, erzählt von ihren Hoffnungen, Träumen und Enttäuschungen, die oft mit der Politik zusammenhängen, dem Faschismus und dem Krieg. Die bizarrste Geschichte verbindet auf verblüffende Weise Hitler und Charlie Chaplin.

„Die Spieluhr“ knüpft an den Film „Séraphine“ aus dem Jahr 2008 an, in dem Tukur mitgespielt hat. Es ist die Geschichte einer französischen Putzfrau, die als große naive Malerin entdeckt wurde, und des deutschen Sammlers Wilhelm Uhde. Tukur schreibt über Reales und Fantasie – und über die Magie von Malerei und Musik.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.