OLDENBURG Der Wissenschaftler Adamo (Thomas Lichtenstein) ist mit seinem hochtoupierten Haarkranz und dem obligatorischen weißen Kittel die Karikatur eines Eliteforschers. Entsprechend spinnert kommt herüber, was er dem Publikum als zukunftsweisendes Experiment verkaufen will: dauerhaftes Glück.

In einer flammenden Rede erklärt Lichtenstein den Versuchsaufbau: Fünf Freiwillige reisen mit einem Raumschiff ins All. Nach der Rückkehr zur Erde seien diese unzufriedenen Menschenkinder, drei Männer und zwei Frauen, für immer glücklich. Der seltsame Doktor, der während der Allreise als unsichtbarer Orwellscher „Big Brother“ die Szene beobachtet und dirigiert, startet das Raumschiff. Die Reise beginnt.

Die Zuschauer in Oldenburgs Exerzierhalle schauen in die Röhre – in eine grüne Röhre (Bühne: Harm Naaijer), die eher an ein altertümliches U-Boots erinnert, an deren Hintergrund aber eine raffinierte Video-Installation eine Raumreise und später auch einen Meteoriteneinschlag darstellt. Im Zentrum ist ein Sessel mit Schaltuhren und einem ältlichen Röhrensystem zu sehen, der stark an Wells’ „Zeitmaschine“ in der bekannten Verfilmung von G. Pal erinnert.

Natürlich mögen sich die fünf Raumreisenden nicht. Zu unterschiedlich war ihre Sozialisation, die sie mit in das Raumschiff, diesen Un-Ort des Geschehens, bringen. Es gibt Auseinandersetzungen, Annäherungen und Rückzüge. Konflikte sind nicht zu lösen, auch das Schlüpfen in verschiedene Rollen hilft wenig. Misstrauen herrscht vor, vor allem, weil jeder weiß, dass für jeden die Möglichkeit besteht, durch das Drücken eines Knopfes das Raumschiff in die Luft zu sprengen . . .

Das als Komödie inszenierte Stück, das nicht immer recht zu überzeugen weiß, bietet den Schauspielern – neben Lichtenstein sind das Caroline Nagel, René Schack, Rika Weniger, Jens Ochlast und Klaas Schramm – ausreichend Möglichkeiten, sich auszutoben. Da gibt ein Wort das nächste, wird gestampft, gezappelt und geschrien und flugs die Identität gewechselt. Manch komischer Dialog kommt zustande.

Dennoch mag der Funken nicht recht überzuspringen. Zu sehr ähnelt das Ganze einem Lehrstück, im dem sich Adamo zum Herr über das Leben der Menschen aufspielt. Wie so häufig, wenn ein Autor eine Utopie als Handlungsort wählt, entsteht beim Zuschauer das Unbehagen, einer pädagogischen Situation ausgesetzt zu sein. Dass der Doktor zu Beginn das Spiel erklären und am Schluss seine Fortsetzung darlegen muss, wirkt wie eine dramaturgische Schwäche. Zudem wird das Thema „Glück“ ein wenig halbherzig abgearbeitet.

Die Schauspieler ziehen in 90 pausenlosen Minuten jedenfalls alle Register.

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