Cannes Manchmal vermischen sich die Bilder aus der Realität mit denen aus dem Kino. So wie beim Drama „Dheepan“ des Franzosen Jacques Audiard. Sein Protagonist flieht vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat nach Frankreich. Doch dann landet er irgendwo am Rand von Paris, vom Rest der Gesellschaft isoliert.

Audiards Bilder von vergessenen Flüchtlingen und brennenden Hochhaussiedlungen erinnern dabei stark an aktuelle Nachrichten und werfen ein Schlaglicht auf drängende gesellschaftliche Missstände – dafür gewann der Regisseur beim Festival in Cannes nun auch die Goldene Palme.

Sichtlich bewegt nahm der 63-Jährige die Auszeichnung am Sonntagabend entgegen. In „Dheepan“ zeigt er eine eigene, sehr gewalttätige Welt mitten in unserer westlichen Gesellschaft. Da sind sich die Menschen selbst überlassen, da herrschen eigene Regeln und Gesetze.

Audiards größter Konkurrent auf die Goldene Palme war László Nemes, Protegé der ungarischen Regielegende Béla Tarr. Dem jungen Regisseur (Jahrgang 1977) gelang mit „Son of Saul“ ein bemerkenswertes Debüt über den Horror im Konzentrationslager Auschwitz. Seine Kamera ist immer nah dran an dem Juden Saul, der durch das Nazi-Vernichtungslager hetzt. Einen solchen Einblick in ein KZ hat es noch nicht gegeben – völlig zu Recht stand dafür am Ende der Große Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals.

Überhaupt ehrte die Jury um die Regie-Brüder Ethan und Joel Coen viele Filmschaffende der jüngeren Generation, etwa den Griechen Yorgos Lanthimos (Jahrgang 1973), der für seine Zukunftsdystopie „The Lobster“ mit Colin Farrell und Rachel Weisz den Preis der Jury gewann. Oder die 30-jährige Rooney Mara, die in „Carol“ des US-Amerikaners Todd Haynes als junge Geliebte von Cate Blanchett überzeugte und als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde.

Was ebenfalls auffiel, waren die vielen Preise für Frankreich: Neben Audiard zeichnete die Jury noch Vincent Lindon als besten Darsteller für seine Rolle eines Langzeitarbeitslosen in „La loi du marché“ aus. Und da der Preis bei den Frauen zweimal – zu gleichen Teilen – vergeben wurde, gewann auch noch Emmanuelle Bercot für ihr Spiel einer unterdrückten Ehefrau in dem Film „Mon roi“ als beste Darstellerin.

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