Frage: Herr Schaad, war Ihnen von Anfang an bewusst, an welche Fan-Ikone Sie sich da herantrauen?

Schaad: (lacht) Nein, ich hatte ja keine Ahnung! Ich hatte zwar schon von den „Känguru- Chroniken“ gehört, als ich die Einladung zum E-Casting bekam. Mein Freundeskreis und meine damalige Partnerin haben davon erzählt. Aber die schiere Größe dieses Kulthumor-Buches, das einen Leserkreis von 8 bis 88 hat und die Tatsache, dass die Hörbücher in Deutschland zu den erfolgreichsten überhaupt zählen, hatte ich gar nicht auf dem Schirm.

Frage: Hat man gezielt nach einem unverbrauchten Kinogesicht gesucht oder mussten Sie sich auch gegen altgediente Filmhelden durchsetzen?

Schaad: Man bekommt bei so einem Casting-Prozess nicht wirklich mit, wer neben einem selbst noch gecastet worden ist. Das wird unter Verschluss gehalten. Ich glaube aber, dass man schon nach unverbrauchten Gesichtern Ausschau gehalten hat. Deshalb bin ich Marc-Uwe Kling, Dani Levy und Casterin Simone Bär auch so wahnsinnig dankbar, bei diesem potenziellen Millionenhit auf einen Darsteller zu setzen, den noch kein Schwein kennt. Einen solchen Mut beweist man in Deutschland nicht allzu oft.

Frage: Wie haben Sie mit Marc-Uwe Kling zusammengearbeitet?

Schaad: Wir haben uns ein paar Mal getroffen und Marc-Uwe hat mich in meinem Theater besucht. Wir haben uns kennengelernt und uns intensiv über das Thema Humor ausgetauscht. Marc-Uwe hat diesen sehr speziellen, trockenen Humor, der eine Herausforderung für mich war. Ich musste daran arbeiten, mir diesen Humor anzueignen und auf derselben Wellenlänge zu funktionieren. Da hat es mir schon sehr geholfen, ihn privat kennenzulernen und ihn sprechen zu hören.

Frage: Was ist er für ein Mensch?

Schaad: Marc-Uwe ist ein gewitzter, kluger Mensch, der sehr bei sich ist. Er weiß sehr genau, was er will, aber er ist auch wahnsinnig unaufdringlich. Ich glaube, ich habe noch nie jemanden getroffen, der so zuverlässig ist wie er. Er ist ein Privatmann, und ich rechne es ihm sehr hoch an, dass er sich in diesem hart umkämpften Markt entschlossen hat, keine direkten Interviews mehr zu geben. Damit schützt er sich, um sich auf seine Arbeit konzentrieren zu können. Das finde ich sehr bewundernswert.

Frage: Das Känguru boxt gegen rechts, gegen Gentrifizierung und sonstige kapitalistische Auswüchse. Haben Sie sich einen Reim darauf gemacht, warum dieses Tier so gut als Botschafter funktioniert?

Schaad: Diese Frage habe ich mir öfter gestellt und ich konnte mir nie eine vernünftige Antwort geben. Ich habe mich bisher auch noch nicht getraut, Marc-Uwe zu fragen, aber vielleicht ist es an der Zeit, dass er mir mal eine griffige Antwort aufschreibt. Das Faszinierende ist doch, dass das Känguru irgendwie weit weg ist, und trotzdem ganz da. Aus irgendeinem Grund ist das lustig und treffend. Ich habe keine Ahnung, warum.

Frage: Steht Ihnen das Känguru ideologisch nahe?

Schaad: Ich glaube, dem gemäßigten Anarchisten Marc-Uwe stehe ich persönlich näher als dem Vollblutkommunisten Känguru. Aber ich kann seine Bedürfnisse und Wünsche durchaus nachvollziehen.

Dimitrij Schaadwurde am 17. September 1985 in Kaskelen in der ehemaligen Kasachischen SSR geboren. Sein Bruder ist der Regisseur Alex Schaad. Der gemeinsame Kurzfilm „Invention of Trust“ wurde 2016 mit dem „Studenten-Oscar in Gold“ ausgezeichnet.

Im Jahr 1993 siedelte die Familie nach Deutschland über, 2005 legte Schaad im schwäbischen Mengen das Abitur ab. Danach begann er ein Studium an der „Bayerischen Theaterakademie“, wobei er vom Schauspiel- stipendium des Deutschen Bühnenvereins profitierte.Seit 2013 arbeitet der „Nachwuchsschauspieler des Jahres“ am „Maxim-Gorki-Theater“ Berlin.

Der 34-jährige Schaad spricht Russisch, Englisch, Französisch, Spanisch, und spielt Banjo, E-Bass, E-Gitarre, Gitarre und Ukulele.

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