Oldenburg Man kennt ihn in Deutschland spätestens seit seinem Glanzauftritt in „Ziemlich beste Freunde“: François Cluzet. Und auch in „Operation Duval – Das Geheimprotokoll“ spielt Cluzet einmal mehr einen gelähmten Mann.

In dem Debütstreifen von Thomas Kruithof ist seine Lähmung nur eher psychischer Natur. Cluzet spielt Duval, einen introvertierten und zurückhaltenden Buchhalter der nach einem quälendem Job im Büro und als gerade trockener Alkoholiker mit der Arbeitslosigkeit im mittleren Alter zu kämpfen hat.

Als ihm dann ein lukrativer Job angeboten wird, zögert Duval nicht lange. Ohne die Hintergründe seines Arbeitgebers zu kennen, begibt er sich an seinen ungewöhnlichen Arbeitsplatz. In einer spartanisch eingerichteten Wohnung muss der recht biedere Franzose Abhörbänder transkribieren – ganz klassisch mit der Schreibmaschine. Er hat keine Fragen zu stellen, muss jeden Morgen die Vorhänge der Wohnung öffnen und abends wieder schließen.

Was hört Duval auf den Bändern? Das scheint dem stoisch wirkenden Herrn erst einmal völlig egal zu sein – bis er nach ein paar Arbeitstagen dann durch das Tonband Zeuge eines Mordes wird – der Gelähmte gerät in Schockstarre.

Nun nimmt die Spirale ihren Lauf – Duval gerät in einen Konflikt, den er so wohl nicht vorausgesehen hat. Dabei schafft es Regisseur Kruithof, in seinem ersten Langfilm von Anfang an eine durch und durch fesselnde Spannung zu erzeugen.

Dem Zuschauer offenbaren sich in jedem Moment immer nur genauso viel Informationen wie dem Hauptdarsteller. Jede Frage reiht sich an eine andere. Die Spannung des Thrillers wird gerade durch den minimalistischen Einsatz von Musik und den langen, oft still wirkenden Kamerafahrten untermalt. Durch viele Close-Up-Einstellungen – man sieht sogar das Innere einer Tonbandkassette – wird dem Zuschauer recht pene­trant klar gemacht, dass in diesem knapp 90-minütigem Streifen nichts zufällig passiert.

Generell ist es Kruithof auch gelungen, den Zuschauer bewusst zu täuschen. Die Frage „Wer ist Freund und wer Feind?“ bleibt bis zur letzten Minute ungeklärt. Wie der Hauptdarsteller bleibt der Zuschauer gefangen in einem Spiel, das er nicht versteht. Duval ist schließlich gezwungen zu handeln, um sich selbst und die ihm einzig nahestehende Person zu beschützen.

„Operation Duval“ ist ein Film, der nicht durch seine Action oder Bildgewalt die Akzente setzt, sondern durch Tristesse und Unwissenheit Angst schürt. Besonders der Ton einer ratternden Schreibmaschine wird die Besucher des Oldenburger Filmfestivals an den Kinosessel fesseln.

Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
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