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Oldenburg Ernesto de Fiori (Rom 1884–1945 São Paulo), Bildhauer, Maler und Schriftsteller, studierte zunächst ab 1903 Malerei. Nach Aufenthalten in Rom, London und München kam er im Jahr 1911 nach Paris. Dort erfährt sein künstlerischer Werdegang einen entscheidenden Wendepunkt.

Er sieht die Werke von van Gogh, Cézanne und Matisse und entscheidet sich nach diesem überwältigenden Seherlebnis für die Bildhauerei. Anregungen und Impulse findet er in den Werken von Edgar Degas, Aristide Maillol, Auguste Renoir und Wilhelm Lehmbruck.

„Seine psychologische Erlebensfähigkeit“, konstatiert der Bildhauerkollege Waldemar Grzimek 1969, sowie „sein sicheres Proportionsempfinden und klares Körpergefühl lassen ihn komplex und leicht gestalten.“

In den 1920er Jahren wird er dann zu einem der bekanntesten Bildhauer Berlins. In diese produktive Zeit fällt auch die Entstehung der Statuette einer jungen Frau (um 1928).

In aufrechter Körperhaltung blickt die schlanke, unbekleidete Frauenfigur den Betrachter mit klarem Blick unverwandt an. Lippen, Haar und Augen sind farbig gefasst. Die bemalte Oberfläche – hier verstärkt durch die Erotik des Fleischtons – und die Gestik des Körpers vermitteln eine eigentümlich realistische Wirkung, die zur Entstehungszeit das Publikum schockierte und den aus der Literaturgeschichte stammenden Begriff des Neorealismus prägte.

Die Dietrich modelliert

De Fiori, der sich in den 1920er Jahren vielfach mit dem weiblichen Akt beschäftigte, kreiert auch hier den plastischen Ausdruck der sich emanzipierenden Frau. Sie ist sportlich, schlank, selbstbewusst und aufrecht. Ins Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte gelangte die Plastik durch die großzügige Schenkung des Oldenburger Gerichtsrats Ernst Beyersdorff und seiner Frau Hanneliese, die sie vermutlich bei Alfred Flechtheim erworben hatten.

Wie Moissey Kogan und Renée Sintenis wurde de Fiori während der Weimarer Republik durch den Kunsthändler Alfred Flechtheim vertreten. Das Protegé Flechtheims ermöglichte dem Künstler auch verschiedene prominente Aufträge. So modellierte de Fiori unter anderem 1931 den Kopf von Marlene Dietrich in Stuck. Wie skizzenhaft und fragmentarisch-flüchtig wirken die Porträts jener Jahre.

Zahlreiche Ausstellungen in ganz Deutschland, nicht nur in der Berliner Galerie von Flechtheim, sondern auch bei Gurlitt und Buchholz sowie auf internationalen Schauen in Paris, Chicago oder später auch in Rio de Janeiro und São Paulo sind Zeugnisse des großen künstlerischen Erfolges.

Doch die Wahrnehmung der Zeitgenossen variieren. De Fiori „lag unter dem Tisch und prügelte einen Kollegen. – Er erinnert mich immer an Kokoschka“, resümiert der Bildhauer Gerhard Marcks seine erste Begegnung mit dem zuweilen unbeherrschten Künstler.

Große Geldsorgen

Nachdem Flechtheim 1933 aus Deutschland flüchten musste, emigrierte auch de Fiori 1936 mit größer werdenden Geldsorgen über London nach Brasilien. Im Exil entstehen nur noch wenige Skulpturen. 1945, kurz vor seinem Tod, formt er noch ein eindrucksvolles Selbstporträt, das sich heute in São Paulo befindet. Das Landesmuseum verwahrt neben der Statuette einer jungen Frau noch eine Mädchenstatuette sowie die Lithografie „Schreitender männlichen Akt“ aus den Jahren 1914/1916.

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