Hannover Archäologen und Denkmalschützer sehen das 2015 entdeckte römische Marschlager in Wilkenburg bei Hannover in Gefahr. Es drohe in diesem Jahr dem Kiesabbau zum Opfer zu fallen, trotz seiner überragenden Bedeutung als landesweit größtes römisches Bodendenkmal, sagte der Sprecher des Archäologischen Arbeitskreises Niedersachsen, Robert Lehmann. An diesem Samstag soll eine Informationstafel an der Fundstelle aufgestellt und der Streit um den Fund erläutert werden. Das Römerlager nahe der Leine zählt zu den größten rechts des Rheins und bot mindestens 20.000 Legionären Platz.

Bisher seien über 50 Münzen gefunden worden, die eine Datierung auf die Zeit zwischen 3 und 5 nach Christus nahelegen, sagte Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt für Denkmalpflege in Hannover. Damit könne das Lager in Zusammenhang mit den Feldzügen des „immensum bellum“ (Gewaltiger Krieg) stehen. Unter dem späteren Kaiser Tiberius wurden die Aufstände der Germanen in dieser Zeit niedergeschlagen. Für Wulf steht das Lager in einer Reihe mit dem ersten in Niedersachsen entdeckten Römerlager in Hedemünden oder Kalkriese, wo die Varusschlacht stattgefunden haben soll.

Die Region Hannover als Untere Denkmalschutzbehörde sieht das ganz anders. Nach ihrer Einschätzung hat das Bodendenkmal keine „europäische Bedeutung“. Unter Auflagen könne hier Kies abgebaut werden, erklärte die Behörde im Dezember. Bei der Region läuft ein wasserrechtliches Planfeststellungsverfahren für eine weitere Kiessandgewinnung an dem Standort. Der vorgeschriebene Erörterungstermin stehe noch aus, sagte Regionssprecher Klaus Abelmann am Freitag. „Erst mit einem unanfechtbaren Planfeststellungsbeschluss hätte die antragstellende Firma das Recht, Kies abzubauen.“

Im Landesdenkmalamt hoffen Archäologen, die Bagger noch stoppen zu können. „Wir haben jede Menge Kiesgruben, aber nur dieses eine römische Marschlager“, betonte Wulf.

Organisatoren der Informationsveranstaltung an diesem Samstag sind die Römer AG Leine, die Bürgerinitiative gegen Kiesabbau in Wilkenburg sowie die Numismatische Gesellschaft zu Hannover. Die Informationstafel werde mit Zustimmung des Bürgermeisters der Gemeinde Hemmingen aufgestellt, der das Römerlager gerne touristisch nutzen würde, sagte Lehmann, der als Chemiker an der Universität Hannover das Alter von archäologischen Funden bestimmt. Es sei verstörend und unverständlich, dass die Region Hannover wissenschaftliche Gutachten zur Bedeutung des Fundes ignoriere.

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