New York Vietnam, George W. Bush oder JFK: Mit zeitgeschichtlichen Themen der USA kennt sich der Filmemacher und Produzent Oliver Stone (69) aus. In Deutschland ist nun sein zusammen mit Peter Kuznick geschriebenes Buch „Amerikas ungeschriebene Geschichte: Die Schattenseiten der Weltmacht“ erschienen. Im Gespräch erklärt der Oscar-Preisträger, warum er wenig Hoffnung hat, dass sich die Politik seines Landes bald verbessert, und wieso in seinen Augen auch Barack Obama versagt hat.

Zur Person:Oliver Stone

1946 in New York geboren

Filmemacher und Produzent

Er gewann für „Platoon“ und „Geboren am 4. Juli“ den Oscar als bester Regisseur.

Für „12 Uhr nachts – Midnight Express“ bekam er den Preis für das beste Drehbuch.

Stone ist zum dritten Mal verheiratet und hat drei Kinder.

Frage: Sie sind Filmemacher, kein Historiker. Warum sollte man sich von Ihnen die Geschichte der USA der letzten 150 Jahre erzählen lassen?

Oliver Stone: Weil es eines der radikalsten Geschichtsbücher ist, das Sie finden werden – und es ist alles wahr. Das Buch begleitet eine TV-Reihe. Beides habe ich zusammen mit einem Freund von mir erzählt, der seit 40 Jahren Geschichte an Universitäten lehrt.

Frage: Bisher sind Sie für ihre Filme bekannt. Wie entstand in diesem Fall die Idee zum Sprung ins Dokumentarische?

Oliver Stone: Das war 2008, am Ende der beiden Amtszeiten von George W. Bush. Mir fiel auf, dass die Vereinigten Staaten in diesem üblen Zustand waren und ich wollte herausfinden, ob das etwas Außergewöhnliches war. Aber es war nur die Fortsetzung einer Politik, die im Zweiten Weltkrieg startete.

Frage: Was kennzeichnet denn die US-Politik in Ihren Augen?

Oliver Stone: Wir haben keinen Sinn für Geschichte. Wir glauben nur uns selbst. Das ist das Seltsame daran, in den Vereinigten Staaten zu leben. Das Land liegt zwischen zwei Ozeanen, wir haben eine seltsame Ignoranz dafür, was andere durchmachen. Amerika hat immensen wirtschaftlichen Reichtum, zum Teil wegen der Verwüstung, die durch den Zweiten Weltkrieg ausgelöst wurde. Das erlaubt uns aber nicht, mit Arroganz aufzutreten oder so freimütig in andere Länder einzugreifen.

Frage: Hat sich nicht durch Obama vieles zum Besseren verändert?

Oliver Stone: Obama hat nichts Entscheidendes verändert, manche scherzen ja, dass er Bushs dritte und vierte Amtszeit erledigt hat. Der Überwachungsstaat ging weiter, der Kampf gegen den Terror wurde ausgeweitet. Er sagt, dass er zwei Kriege beendet habe, aber das Gegenteil ist der Fall: Im Irak herrscht ein noch größeres Durcheinander, und Afghanistan erscheint mir ein verlorener Kampf. Wir haben 300.000 afghanische Soldaten ausgebildet, das hat uns ein Vermögen gekostet. Aber sie sind nicht in der Lage, gegen 30.000 oder 40.000 Taliban ihren Mann zu stehen.

Frage: Wird sich das mit dem nächsten Präsidenten ändern – oder der nächsten Präsidentin?

Oliver Stone: Nein. Beide Parteien befürworten diese Positionierung als Imperium, beide befürworten Militarismus. Es wäre sehr positiv, wenn Amerikas Rolle sich ändern würde. Aber Europa hat sich auch sehr verändert. Ich habe in den 50er- und 60er-Jahren viel Zeit in Frankreich verbracht und erinnere mich noch an ein viel unabhängigeres Europa. Aber seit Reagan überrascht es mich, wie sehr diese Unabhängigkeit aufgegeben wird. Ich hoffe, dass es bald mehr ein Gleichgewicht der Kräfte gibt. Alle alten Imperien sind zusammengebrochen, weil sie dachten, sie können tun, was sie wollen.

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