BERLIN Er ist fast so etwas wie ein Berufs-Berliner. Michael Gwisdek füllt in Filmen wie „Good Bye, Lenin!“, „Männersache“ und „Boxhagener Platz“ die Rolle des Hauptstädters mit Herz und Schnauze perfekt aus. Andere Filme, zum Beispiel „Das Lied in mir“, zeigen jedoch immer wieder, über welche enorme Bandbreite er verfügt. Gerade das sichert ihm wohl beim Publikum über Jahrzehnte eine ungebrochene Zuneigung. Am 14. Januar feiert Schauspielstar Michael Gwisdek seinen 70. Geburtstag.

Der 1941 geborene Gastwirtssohn aus Berlin-Weißensee denkt offenkundig nicht über das Älterwerden nach. Interviews dazu lehnt er ab. Und vor zwei Jahren, als das Festival um den Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken Gwisdek eine Ehrenreihe widmete, eröffnete er ein Publikumsgespräch mit dem Bekenntnis: „Ich bin Jungfilmer. Ich komme noch mal ganz groß raus.“

Groß rausgekommen ist Gwisdek schon in der DDR, zunächst am Theater, dann im Kino. Damit erfüllte sich ein Traum seiner Jugend, genährt in den 50er Jahren, wie damals bei vielen jungen Ost-Berlinern, durch den kleinen Grenzverkehr. „In West-Berlin ins Kino – das war unser ,Saturday Night Fever’“, schwärmte Gwisdek später. Beeindruckt habe ihn vor allem der rote Teppich der Berlinale, damals noch am Bahnhof Zoo und im Sommer. In einem Gespräch erinnerte sich Gwisdek: „O.W. Fischer war mein Vorbild. Ich habe mir geschworen, dass ich auch einmal über diesen roten Teppich laufen werde.“

Das hat Gwisdek später auch geschafft. Nach der Ausbildung hat er zunächst in den 60er und 70er Jahren an verschiedenen Theatern in der DDR brilliert. Sein außerordentliches komödiantisches Talent brachte ihm bald Rollen im Kino ein. Entscheidend waren zwei Arbeiten unter Regie von Ulrich Weiß: „Dein unbekannter Bruder“ (1982) und „Olle Henry“ (1983). Beide Filme missfielen den Zensoren, weil sie formal unangepasst die Verlogenheit der ostdeutschen Gesellschaft zwischen verordnetem Duckmäusertum und sinnfreier Propaganda beleuchteten.

Das Publikum, darin geübt zwischen den Bildern und Dialogen zu lesen, feierte die Filme. Bis heute strahlen die Filme eine große Kraft aus. Wer etwas darüber erfahren möchte, wie das geistige Klima in der DDR im Jahrzehnt vor dem Mauerfall war, kommt daran nicht vorbei. Gwisdek hat sich in einer Zuschauerdiskussion mit Zwiespalt erinnert: „Für uns war das toll, aufregend, ungewöhnlich. Aber es war einfach auch schlimm, nicht sagen zu können, was man dachte.“

Mit dem Fall der Mauer erfüllte sich sein Traum, über den roten Berlinale-Teppich zu gehen. Viele Jahre war er mit Corinna Harfouch ein Paar. Seit einigen Jahren ist Gwisdek mit der Schriftstellerin Gabriela Gwisdek verheiratet.

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