OLDENBURG Unlängst ist im Kunsthandel ein Frühwerk des Malers Max Herrmann aufgetaucht. Als Leihgabe ist es nun im Prinzenpalais des Oldenburger Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen. Für die Kunstgeschichte der Klassischen Moderne im Oldenburger Land gleicht die Entdeckung dieses Bildes einer Sensation. Denn bisher war das Frühwerk von Max Herrmann nur durch fotografische Aufnahmen dokumentiert.

Bei Otto Dix studiert

Ohne Zweifel zeigt sich in diesem Frühwerk ein herausragendes Talent und es macht deutlich, dass der 1999 gestorbene Künstler einer der wichtigsten Maler in unserer Region gewesen ist.

1908 in Halle an der Saale geboren, kam Max Herrmann 1933 ins Oldenburger Land, nachdem er ein Studium bei Otto Dix in Dresden und Max Beckmann in Frankfurt am Main absolviert hatte. Sein Atelier hatte er in Oldenburg, unweit des Hauptbahnhofes. Durch einen Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg ging fast sein gesamtes Frühwerk zu Grunde, darunter zahlreiche Zeichnungen mit Korrekturen von Max Beckmann. In den 1950er Jahren war er einer der wichtigsten abstrakten und später informell arbeitenden Maler im Nordwesten.

Das zweiseitig bemalte Bild von 1929 ist ein wichtiges Dokument für den Einfluss, den seine großen Lehrer Dix und Beckmann auf seine Entwicklung genommen haben. Dargestellt ist eine junge Frau, die sich als seine damalige Freundin Ilse Kahn, genannt Ille, identifizieren lässt.

Die Rückseite zeigt Masken und steht den Gestaltungen von Dix nahe. Der künstlerische Zwiespalt, in dem sich Herrmann Ende der 20er Jahre befand, wird greifbar. Augenscheinlich wurde die Rückseite verworfen und die Vorderseite mit dem Porträt von Ille für ihn maßgeblich.

Häufig erzählte er vom Studium bei Dix, der mit seinen Studenten die Dresdner Galerie besuchte und sie an den Meisterwerken der Altdeutschen Malerei eines Albrecht Dürer, Lucas Cranach und Hans Baldung schulte. Die Rückseite mit den Masken, die Herrmann in seinem Dresdner Atelier schuf, erinnert an vergleichbare Arbeiten von Dix. Sie ist aber freier und expressionistischer angelegt. Das Porträt der damaligen Freundin und Lebensgefährtin Ille steht dagegen den Bildnissen von Beckmann erstaunlich nahe.

Das Porträt im Originalrahmen führt den Betrachter in die Zeit der späten 20er Jahre, kurz vor Beginn der Weltwirtschaftskrise. Besonders spannend wird das Gemälde, wenn man es in den persönlichen Kontext setzt.

Eine Galerie eröffnen

Im Nachlass des Künstlers haben sich Fotografien und Briefe erhalten. Es sind Dokumente einer nicht unproblematischen Liebe. Ilse Kahn war Kunstgewerblerin und stand der Reformbewegung nahe. Sie hatte das Ziel, eine Galerie zu eröffnen und das Werk ihres Lebensgefährten zu vertreten. Es mag sein, dass diese Ziele, mit der Absicht eine Familie zu gründen, von Herrmann als Einengung empfunden wurden, was schließlich zum Bruch der Beziehung führen sollte.

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