Von andré wesche

Frage: Sie befassen sich gerne mit deutsch-jüdischen Themen. Welche Rolle spielt die Religion in Ihrem Alltag?

levy: Ich lebe natürlich nicht wirklich koscher. Die jüdische Religion spielt in meinem Alltag so gut wie keine Rolle. Aber gerade durch einen Film wie „Alles aus Zucker!“ bin ich wieder mit meinen Wurzeln vereint worden.

Frage: Haben Sie Ihre Darsteller, zum Beispiel die Schauspieler Henry Hübchen und Hannelore Elsner, einem Schnellkurs in jüdischer Lebensart unterzogen?

levy: Hannelore Elsner hat sich selbst einem Crashkurs unterzogen. Henry Hübchen hat sich schön auf seine Position zurückgezogen. Wer aber tatsächlich einen Schnellkurs machen musste, war die andere Seite der Familie, also die Zuckermanns. Udo Samel wusste schon eine Menge, musste aber noch viel lernen. Mein Schwager ist Rabbinersohn und ein sehr toleranter und geduldiger, aber praktizierender orthodoxer Jude. Er ist nach Berlin gekommen und hat dafür gesorgt, dass alles stimmt.

Frage: „Alles auf Zucker!“ war als Fernsehfilm geplant . . .

Levy: Es wurde unter Fernsehnormen gedreht, sprich: mit wenig Geld, wenig Zeit und Fernsehgehältern. Ich muss aber sagen, dass ich von Anfang an den Traum hatte, dass der Film ins Kino kommen würde. Wir haben auf meinen Wunsch hin dann eine Testvorführung gemacht. Danach war klar, dass wir den Film ins Kino bringen müssen.

Frage: Der jüdische Humor ist legendär. Muss man hierzulande trotzdem noch lernen, ohne Schwere damit umzugehen?

Levy: Ja, ich brauchte auch ein paar Filme, um an diesen Punkt zu kommen. Ich habe ja vor sechs Jahren „Meschugge“ gedreht, der keineswegs eine Komödie ist, sondern ein sehr schwerer, tragischer, bedrückender Thriller. Ich habe aber in dieser Zeit schon so ein Kribbeln im Bauch gehabt, ich dachte, ich müsste mal etwas Jüdisch-Komödiantisches machen. Die jüdische Familie, die jüdischen Figuren, die Selbstironie, all die tragisch-komischen Situationen, die ich aus meiner eigenen Familie kenne, hatten keinen Platz in „Meschugge“. Es hat ein paar Jahre gebraucht, bis ich das zu einem wirklichen Projekt zusammengebaut hatte.

Frage: Aus welchen Gründen ist es Ihnen so wichtig, jüdische Themen ins Kino zu bringen?

Levy: Ich sehe es nicht als persönliche Aufarbeitung. Irgendwo glaube ich, inzwischen bin ich doch ein Botschafter der jüdischen Kultur. Ich hätte das vor ein paar Jahren noch verneint. Nun habe ich das Gefühl, dass ich als Jude in Deutschland tatsächlich eine Art Botschafterfunktion einnehme. Ich habe da oft eine andere Art Humor und Zugang zu den Menschen als jemand wie zum Beispiel Bully Herbig oder Detlev Buck.

Frage: Es gibt Hinweise, die auf das Erstarken der rechten Szene hindeuten. Wie sehen Sie die Situation?

Levy: Ich gucke natürlich auch mit großer Sorge auf die Neuformierung der rechten Szene, vor allem parlamentarischer Art. Aber ich bin weit davon entfernt, Deutschland als rechtslastig zu betrachten. Frage: Woran arbeiten Sie derzeit?

Levy: An Drehbüchern. Eines davon ist eine Komödie, mit dem Titel „Todglücklich“. Sie spielt im Jetset. Es geht um einen Top-Tennisspieler wie Boris Becker, der in eine schlimme Lebenskrise gerät, als er aus einem Hochhaus stürzt und den Sturz überlebt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.