BREMEN Steinhäuser (1813–1879) war einer der meistbeschäftigten deutschen Bildhauer seiner Zeit. Später geriet er fast in Vergessenheit.

Von Jörg Michael HeNneberg BREMEN - Unter den Bildhauern des Klassizismus ist der Bremer Carl Johann Steinhäuser (1813–1879) eine eher unbekannte Größe. Besuchern der Bremer Kunsthalle wird er vielleicht begegnet sein. Steht doch eine Plastik von ihm einer Video-Installation des Koreaners Nam June Paik gegenüber und überbrückt so die Zeiten. Helke Kammerer-Grothaus legt nun im Verlag von Aschenbeck & Holstein eine Monografie über Leben und Werk dieses lange vernachlässigten Künstlers vor und schließt so eine Lücke.

Carl Johann Steinhäuser wuchs in Bremen auf. Seine ersten bildhauerischen Versuche unternahm er mit einer Reihe von Porträtbüsten, die er u. a. als Senatsauftrag für den Bibliothekssaal fertigte. Die Büste des Astronomen Heinrich Wilhelm Matthias Olbers (1753–1840) wurde in Marmor in der Werkstatt von Christian Daniel Rauch ausgefertigt. Der bekannte Berliner Bildhauer erkannte das Talent des jungen Künstlers und nahm ihn in sein Atelier auf.

Steinhäuser studierte vier Jahre bei Rauch und gleichzeitig an der Akademie der Künste in Berlin. Wegweisend wurde für Steinhäuser die Zeit in Rom. 1835 traf er dort mit seinem Bruder ein. Zu jener Zeit bestimmte Berthel Thorvaldsen die Bildhauerszene am Tiber. Thorvaldsen war der Mittelpunkt der deutsch-skandinavischen Künstlerschaft. Bald sollte Steinhäuser zu den angesehensten Mitgliedern der deutschen Künstlerkolonie gehören. Nach dem Weggang Thorvaldsens übernahm er 1844 dessen Atelier an der Piazza Barbarini, das er bis zu seinem Tode behalten sollte.

In Rom schuf er ein Goethe-Denkmal, das vom Erbgroßherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach erworben wurde und sich heute in Weimar befindet. Auch für die Oldenburger Großherzöge Paul Friedrich August und Nikolaus Friedrich Peter war er wiederholt tätig. In Rom konvertierte Steinhäuser zum Katholizismus und näherte sich in der Skulptur der Weichheit und der verinnerlichten Religiosität der Nazarener an, was ihm später als süßlich und wenig realistisch angekreidet werden sollte. Auch für König Wilhelm IV. von Preußen war Steinhäuser wiederholt tätig. Der Osterleuchter in der Friedenskirche Potsdam Sanssouci wurde 1859 vom bereits schwer erkrankten König während seines letzten Rom-Aufenthaltes, der ihm Heilung bringen sollte, erworben.

1863 rief Großherzog Friedrich von Baden den Bildhauer als Professor nach Karlsruhe. Steinhäuser zog in die badische Residenzstadt, behielt aber sein römisches Atelier und erwirkte von seinem Souverän die Erlaubnis, alle zwei Jahre im Wintersemester für einen Rom-Aufenthalt beurlaubt zu werden. Davon sollte Steinhäuser öfter als vorgesehen Gebrauch machen. Seine römische Werkstatt florierte, und er war neben Emil Wolff der meistbeschäftigte deutsche Bildhauer.

Bereits in seinem Todesjahr 1879 veranstaltete der Künstlerverein zu Bremen eine Gedächtnisausstellung. Seither sollte es immer ruhiger um den Bildhauer werden. Erst eine Neubewertung des Spätklassizismus und frühen Historismus macht jetzt Wege für eine objektivere Würdigung frei. Das schöne und reich bebilderte Werk von Helke Kammerer-Grothaus, das ein Werkverzeichnis einschließt, bietet eine gute Gelegenheit, Steinhäuser wieder zu entdecken.

Das Buch „Carl Johann Steinhäuser, 1813–1879, ein Bildhauer aus Bremen“ von Helke Kammerer-Grothaus ist im Aschenbeck & Holstein-Verlag (Delmenhorst/Berlin, 120 Seiten, 9,80 Euro) erschienen.

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