WILHELMSHAVEN Vor zwei Jahren bot das Orchester aus der Hansestadt einen eindrucksvollen Brahms-Abend. In diesem Jahr spielten sie Musik aus Nordeuropa von Edward Grieg und Jean Sibelius. Beide Komponisten wurden in jungen Jahren von der deutschen Romantik beeinflusst, fanden aber doch jeder seinen eigenen Stil. Im Mittelpunkt des Abends standen die „Peer Gynt“- Suiten op. 46 und op. 55 von Grieg, komponiert nach den Schauspielmusiken zu „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen. Dazu gehörte auch das einleitende „Im Hochzeitshof“. Es ist eine Musik voller wechselnder Klangfarben und melodischer Einfälle. Die programmatischen Titel wie z. B. „Morgenstimmung“ oder „Arabischer Tanz“ regen die Fantasie an und überraschen mit unerwarteten Wendungen.

Sara Hershkowitz, Sopran, war die Solistin des Abends. Sie sang vier Lieder von Grieg und Solveigs Lied aus der zweiten Suite. Ihr Sopran klingt leuchtend in der Höhe und voll in den tiefen Lagen. So wurde Solveigs Lied zu einem der Höhepunkte des Abends. Schade, dass man den Text nicht überall verstehen konnte und keine Hilfe im Programm fand. Den Abschluss bildeten Werke von Sibelius: Weihnachtslieder für Orchester und die berühmte sinfonische Dichtung Finlandia, op. 26, 7. Das zweite Werk ist für die Finnen zum Symbol für ihre Unabhängigkeit geworden. Es entstand in einer Zeit der Unterdrückung und spiegelt in seiner Dramatik den unbeugsamen Freiheitswillen wider, ähnlich wie die Egmont-Ouvertüre von Beethoven.

Die Bremer Philharmoniker sind längst zu einem Spitzenorchester unter Markus Poschner geworden. Der Streicherklang wirkt ausgewogen, die Bläser vorzüglich und das Zusammenspiel perfekt. Das erkennt man an der Bewältigung von plötzlichen Tempowechseln und einer ausgewogenen Klangbalance. Dabei hatte Poschner großen Anteil durch eine präzise Zeichengebung. Bei aller Liebe zum Detail behielt er stets die große Linie, den formalen Zusammenhalt im Auge. Als Beispiel sei nur die fantastische Steigerung in Griegs „Halle des Bergkönigs“ genannt. Fast unhörbar begann der Satz, und über eine lange Phase entwickelte er eine Steigerung in Tempo und Lautstärke bis zur Ekstase.

Es gab herzlichen Beifall, für den sich die Musiker mit zwei Zugaben bedankten: Im Hinblick auf die Jahreszeit „Der Schlittschuhläufer“ von Emil Waldteufel und mit einem Blick auf Amerika „Slide Ride“ von Leroy Anderson.

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