HAMBURG Der Begriff Volksschauspielerin passt wohl zu niemandem so gut wie zu Heidi Kabel. Das Hamburger Ohnsorg-Theater ist untrennbar mit ihrem Namen verbunden, in 66 Jahren stand sie in mehr als 160 Stücken auf der Bühne des niederdeutschen Theaters.

„Sie kommt immer als Mensch auf die Bühne, und man vergisst, dass sie spielt. Darum ist sie eine echte Volksschauspielerin“, sagte ihr Kollege Peter Striebeck einmal. Als das Fernsehen begann, Ohnsorg-Stücke zu übertragen, machte die Hamburger Deern die Waterkant auch bei den Bayern populär. Am 27. August feiert Heidi Kabel ihren 95. Geburtstag im Kreise ihrer Liebsten – mit fünf Enkelkindern und drei Urenkeln.

Ihrer Mutter, die in einem Hamburger Altenheim lebt und an Demenz leidet, gehe es „ihrem Alter entsprechend“, sagt ihre Tochter Heidi Mahler. Da sie Arthrose im Knie hat, könne sie nicht mehr laufen und sitze im Rollstuhl, „aber ansonsten nimmt sie noch regen Anteil“, sagte die 65-Jährige, die in vielen Stücken gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Bühne stand.

Am stärksten in Erinnerung geblieben ist ihr „Mudder Mews“. „Da hat meine Mutter erst die Elsbe gespielt und dann die Mutter Mews, dann habe ich die Elsbe gespielt und die Mutter Mews.“ An ihrer Mutter schätze sie am meisten, „dass sie zu Hause eine richtige Mutter war und im Theater eine so fantastische Schauspielerin – und das alles unter einen Hut bekommen hat“.

Dabei wollte Heidi Kabel zunächst gar keine Schauspielerin werden, sondern Pianistin. Mit 18 begleitete sie 1932 eine Freundin zum Vorsprechen an die „Niederdeutsche Bühne“, die Richard Ohnsorg 1902 gegründet hatte – und wurde selbst engagiert, dabei hatte ihre Mutter ihr noch hinterhergerufen: „Heidi, du nicht!“ 1937 heiratete sie den Regisseur Hans Mahler, der 1948 zum Leiter des Ohnsorg-Theaters berufen wurde, und bekam drei Kinder: die Söhne Jan-Rasmus und Heiko und die Tochter Heidi. Die Anfangsjahre waren nicht leicht: „Man wollte sich amüsieren, den Krieg vergessen, für ein paar Stunden Fröhlichkeit genießen, bevor man wieder in den tristen Ruinenalltag zurückkehren musste“, erinnerte sich Heidi Kabel.

Über hanseatische Grenzen hinaus populär wurde sie in den 50er Jahren. Bald avancierte sie zum Star der Volksbühne, spielte resolute Ehefrauen, keifende Hausdrachen und handfeste Mütter. Neben dem Kölner Willy Millowitsch gehörte Heidi Kabel zu den beliebtesten Schauspielern des volkstümlichen Theaters. Ihre Rolle in „Tratsch im Treppenhaus“, wo sie 1962 neben Henry Vahl die klatschsüchtige Nachbarin Meta Boldt gab, bleibt ebenso unvergessen wie „Mudder Mews“.

Mit über 70 erweiterte sie ihr Fernsehrepertoire um Charakterrollen – darunter „Mutter und Söhne“ und die Serie „Heidi und Erni“. 1998 – mit 84 Jahren – nahm sie Abschied vom Ohnsorg-Theater.

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