BREMEN Es ist die letzte Opernpremiere der Bremer Spielzeit. Die musikalische Leitung hatte Stefan Klingele, designierter Chefdirigent.

Von Wolfgang Denker BREMEN - Woran liegt es, dass Massenets „Don Quichotte“ an Popularität weit hinter seinem „Werther“ oder seiner „Manon“ zurücksteht? Vielleicht daran, dass es keine große Tenorpartie darin gibt und die drei Protagonisten Bass, Bariton und Mezzosopran sind? An der wundervollen Musik Massenets, die bunte, folkloristische Elemente und tief empfundene Poesie vereint, sicherlich nicht.

Es ist ein großes Verdienst des Bremer Theaters, als letzte Opernpremiere dieser Spielzeit dieses Werk vorzustellen – und das in einer szenisch wie musikalisch rundum beglückenden Produktion. Regisseur Philipp Himmelmann ließ die Abenteuer des „Ritters von der traurigen Gestalt“ als Rückblick des sterbenden Don Quichotte ablaufen; das Zwischenspiel zum 5. Akt mutierte deshalb zur Ouvertüre. Himmelmann und sein Bühnenbildner Hermann Feuchter blätterten fantasievoll eine knallbunte Welt rund um das Etablissement von Dulcinée auf, bei der die Männer reihenweise Schlange standen, fanden für den Kampf mit den Windmühlen eine ästhetisch sehr geglückte Lösung mit Projektionen und verlegten die Räuberschlucht ins Comic-Land der Panzerknackerbande.

Don Quichotte lehnte bei seinem Tod auf der fast kahlen, aber stimmungsvoll ausgeleuchteten Bühne an einem Baum – nicht Parsifal, der reine Tor, sondern Quichotte, der idealistische „Narr“, der seine Insel aus Träumen gefunden hat. Ein poetisches, sehr berührendes Bild! Himmelmanns Regie verbindet überzeugend augenzwinkernden Humor (bei den vier Verehrern) und Dulcinées laszive Erotik mit der würdevollen, skurrilen Grandezza des Don Quichotte zu einer nahtlosen Einheit.

Mit dem hageren Karl Huml als Don Quichotte, George Stevens als bodenständigem Sancho Pansa und Yaroslava Kozina als verführerischer Dulcinée waren schon rein optisch die Hauptpartien ideal besetzt. Dazu kam ein gesangliches Niveau vom Feinsten. Don Quichottes Gebet „Seigneur reçois mon âme“ gestaltete Huml mit weltentrückter Schönheit, die Sterbeszene mit schlanken, lyrischen Basstönen. George Stevens verströmte als Sancho Pansa bei Don Quichottes Sterben in seinem „O man maître“ reinsten Wohllaut. Und Yaroslava Kozina verdeutlichte, dass der seltsame Ritter sehr wohl ihr Herz berührt hat. Ihr „Lorsque le temps“ gestaltete sie mit feiner Melancholie und aparter, dunkler Stimmfarbe zu einem der vielen Höhepunkte.

Stefan Klingele, designierter Chefdirigent, breitete mit den Bremer Philharmonikern die ganze Pracht der Partitur mit vielen Klangfarben aus, entfachte spanisches Kolorit und gab den Zwischenspielen impressionistische Duftigkeit.

Karten: 0421/36 53 333

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