HANNOVER Auf einem Dachboden in Hannover stand jahrelang diese Kiste mit Hard­rockklischees herum. Darin lagerten zahlreiche abgegriffene Gitarrenriffs und eine schwarze Ledermütze, und einen Beutel mit Textbausteinen gab es auch: ein paar „Yeahyeahyeahs“, ein „Let’s rock, let’s roll“, ein „In Rock we trust“. Seit langem lag Staub auf der Kiste, aber neulich hat Rudolf Schenker (61) sie dann doch noch einmal geöffnet. Seit dem Wochenende steht nun ein neues Album der Scorpions in den Läden, es heißt „Sting In The Tail“.

Die Scorpions, gegründet 1965, waren einmal so etwas wie die beste Band der Welt. Das war am 4. Februar 1984, das ZDF sendete einen Mitschnitt des Konzerts „Rockpop in Concert“ aus der Dortmunder Westfalenhalle. Internationale Hard­rockgrößen wie Iron Maiden und Ozzy Osbourne traten auf, und um kurz vor Mitternacht bollerte die deutsche Gruppe The Scorpions ihren Hochtempo-Song „Blackout“ in die Lautsprecheranlage. Die Musiker rannten und sprangen dazu über die Bühne, Sänger Klaus Meine kletterte schließlich auf die Oberschenkel der Gitarristen Rudolf Schenker und Matthias Jabs, die berühmte „Scorpions-Pyramide“ war erfunden. Und zum ersten Mal überhaupt hatten einheimische Rockfans das Gefühl, es könnte Rockmusik von internationalem Format auch in Deutschland geben.

Ein paar Monate später erschien das Scorpions-Album „Love At First Sting“. Es wurde ein Welthit, sogar in den USA stieg es bis in die Top 10. Die Scorpions füllten weltweit Stadien, beliebter würde keine andere deutsche Band je wieder werden. Bis Klaus Meine 1990 buchstäblich auf sein Rocker-Image pfiff und mit „Wind Of Change“ den Scorpions-Sound schlagerkompatibel machte. Die Hannoveraner stürmten so zwar auch die letzten Hitparaden der Welt, die Handrockfans von 1984 aber schleppten ihre Scorpions-Platten peinlich berührt in den Keller.

Doch jetzt singt Meine (61) noch einmal mit flatterndem Vibrato Songs, die „Raised On Rock“ heißen, „Rock Zone“ oder „Spirit Of Rock“. Die übersteuerten Gitarren hacken aggressiv aufs Bluesschema ein, Bass und Schlagzeug sind üppigst produziert. Und ja, „The Good Die Young“ ist eine echte Scorpions-Hymne, „No Limit“ ein kantiger Scorpions-Kracher, „Lorelei“ eine gelungene Scorpions-Ballade. Kein Ton klingt ungehört oder gar unerhört, „Sting In The Tail“ ist vielmehr wie ein Bummel über den Trödelmarkt – es macht Spaß, in den Erinnerungen zu wühlen.

„Sting In The Tail“ soll das letzte Album der Scorpions sein. Nach der dazugehörigen Welttournee will die Band in den Ruhestand gehen.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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