KöLN Iron Maiden wurde in den 80ern zur wichtigsten Band des Genres. Die Gruppe nimmt immer noch Platten auf.

Von Karsten Krogmann KÖLN - Steve Harris wollte eigentlich Fußballspieler werden, aber Langhaarige hatten es in England schon damals nicht leicht auf dem Platz. Also kaufte sich der Junge lieber eine Bassgitarre, stellte den linken Fuß auf eine Kiste und erfand den Heavy Metal. Das war 1976.

Genau genommen war der Heavy Metal natürlich schon längst erfunden. Es gab Bands wie Black Sabbath, es gab Led Zeppelin, Deep Purple und The Who – aber es gab sie leider nicht alle auf einmal. Bis Steve Harris die Band Iron Maiden gründete und damit den neuen Heavy Metal erfand. Die Musikpresse gab der Richtung den Namen „New Wave of British Heavy Metal“, der aber bald in NWOBHM abgekürzt werden musste, um Druckkosten zu sparen.

Iron Maiden, die eiserne Jungfrau, ist ein mittelalterliches Foltergerät, das aussieht wie ein ägyptischer Sarkophag mit Stacheln (auf der Innenseite). Dazu passend malte ein Zeichner namens Derek Riggs ein sehr dünnhäutiges Monster mit schlechten Zähnen, das 1980 auf der ersten Platte der Band zu sehen war, „Iron Maiden“. In Zeiten von Synthiepop-Platten, die vornehmlich Schlipsträger mit klebrigen Frisuren zeigten, war das eine willkommene Abwechslung. Das Album kletterte bis auf Platz 4 der Charts, und das Monster bekam einen Namen: Eddie.

Steve Harris stellte seinen linken Fuß auf die Monitorbox, nahm den schweren Fender-Bass in Anschlag und ballerte los. Hinter ihm donnerte das Schlagzeug, neben ihm sangen zweistimmig die Gitarren, und am Rand turnte der drei Meter große Eddie herum und guckte böse. Da waren sie, alle auf einmal: The Who mit ihrem druckvollen Rhythmus, Deep Purple mit ihren klugen Arrangements, Black Sabbath mit ihrem Grusel-Faktor. Und wenig später kam auch der charismatische Gesang von Led Zeppelin dazu: Bruce Dickinson von der Band Samson, genannt „Die Feuersirene“, ersetzte nach zwei LPs den etwas schwerfälligen Bohrinsel-Facharbeiter Paul Di’Anno.

1982 erschien das Album „The Number Of The Beast“. Es stieg bis auf Platz 1 auf der Hitparade, die Single „Run To The Hills“ wurde zur Hymne. Heavy Metal war salonfähig geworden, alle liebten Iron Maiden: „Maiden! Maiden!“, skandierten die Fans stundenlang bei Festivals. Die Band spielte derweil gut gelaunt mit anderen Bands hinter der Bühne Fußball – Langhaarige gegen Langhaarige.

Irgendwann im Lauf der späten 80er-Jahre verloren der Heavy Metal und seine wichtigste Band an Bedeutung. Iron Maiden nahm weiter Platten auf, zeitweise sogar ohne ihren Star Bruce Dickinson. Bis er im Jahr 2000 zurückkehrte und „Brave New World“ einsang, ein fulminantes Album, das herrlich nach früher klang.

Die Band ging wieder auf Tournee, Steve Harris stellte seinen Fuß auf die Monitorbox, und die Stimmung war ausgezeichnet: „Maiden! Maiden!“, sang nach dem letzten Konzert in Hannover die ganze Straßenbahn.

Jetzt wird Steve Harris bald 50 Jahre alt, und fürs Fußballspielen fühlt er sich langsam ein bisschen zu alt. Seinen Fender-Bass spielt er aber immer noch: Am 25. August erscheint das 13. Studioalbum „A Matter Of Life And Death“.

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