LOS ANGELES Europa hat Hollywood in der Oscar-Nacht im Sturm erobert. Alle Schauspielpreise gingen an Stars mit einem europäischen Pass.

„Ich bin total überwältigt von Freude, Funken und Feuerwerk. Es macht nur noch Bäng, Bäng, Bäng“, stammelte Marion Cotillard auf Französisch und Englisch vor der Auslandspresse, mit dem begehrten Oscar in der Hand.

Der Überraschungssieg als Hauptdarstellerin war der Französin mit der Rolle der legendären Sängerin Edith Piaf in dem Film „La vie en rose“ geglückt. Zum ersten Mal seit Simone Signoret 1960 erhielt eine Französin diesen Oscar und zum allerersten Mal überhaupt eine Schauspielerin, die ihre Rolle auf der Leinwand französisch spricht.

Javier Bardem sprudelte hinter der Bühne vor Freude über seinen Nebendarsteller-Oscar über, natürlich in seiner Landessprache Spanisch. Als wortkarger psychopathischer Killer in dem Streifen „No Country for Old Men“ hatte der Spanier die Hollywood-Konkurrenz ausgeschaltet.

Der Brite Daniel Day-Lewis holte sich erwartungsgemäß den Goldenen Mann als Star des Streifens „There Will Be Blood“. Seine Landsmännin Tilda Swinton, die in „Michael Clayton“ als kalte Karrierefrau glänzte, konnte ihren Nebendarsteller-Sieg dagegen kaum fassen. „Ich wuchs in Europa auf, im unabhängigen Film, als das noch Underground- Kino war“, sagte sie kopfschüttelnd vor Journalisten nach der Gala.

„Hier in Hollywood haben so viele großartige österreichische Filmemacher gearbeitet, ich denke an Billy Wilder, Fred Zinnemann, Otto Preminger“, strahlte der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky auf der Bühne mit dem „Goldjungen“ für den besten nicht-englischsprachigen Film in der Hand. Sein KZ-Drama „Die Fälscher“ wurden je zur Hälfte mit Mitteln aus Österreich und Deutschland produziert und in Babelsberg gedreht.

Damit kann sich auch Deutschland wieder ein Stück vom Oscar-Kuchen abschneiden. Hinter der Bühne strahlte Ruzowitzky: „Das ist echt ein absoluter Kindheitstraum, der wahr geworden ist, besser geht es nicht.“

Sogar das Wetter im gewöhnlich sonnigen Los Angeles passte perfekt zum Siegeszug der Europäer. Selten war es so grau und nasskalt wie bei der 80. Oscar-Verleihung. Erstmals war der Rote Teppich für das Defilee der Stars mit einem Plastikzelt überdacht worden.

Die meisten Preise heimsten die als Studio-Außenseiter bekannten Regiebrüder Joel und Ethan Coen mit „No Country for Old Men“ ein. Der brutale Westernthriller holte sich vier Oscars, als bester Film, für Regie und Drehbuch und Bardem als Nebendarsteller.

Zwar gaben die Europäer den Ton an, doch Hollywoods versammelte Prominenz – George Clooney, Jack Nicholson, Harrison Ford, Martin Scorsese, Nicole Kidman, Rene Zellweger – hatten guten Grund zum Feiern. Es war nicht nur der 80. Geburtstag der Academy Awards, der mit historischen Filmclips vergangener Shows zelebriert wurden.

Der monatelange Streik der Drehbuchautoren, der erst zwei Wochen vor der Gala beigelegt worden war, hätte die Nacht der Nächte beinahe zu Fall gebracht.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.