OLDENBURG Der Nordwind pfeift durch die dunkle Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters, Peer Gynt erzählt im besten Jägerlatein von seiner – natürlich erfolgreichen – Jagd auf einen kapitalen Rehbock. Schon ist das Premierenpublikum mittendrin im intensiven Spiel.

Ruhm und Reichtum

Das dramatische Gedicht von Henrik Ibsen (1828–1906) setzen Konstantin Bock, Vincent Doddema, Alin Pilan, K. D. Schmidt und Anna Steffens in Teamarbeit mit großer Experimentierfreude nicht nur in Szene, sondern ebenso kraftvoll auch in die Tat um. Der Regisseur wird zum Schauspieler, der Schauspieler zum Regisseur. Da wird die Brautwerbung im Trollpalast zu einer aus dem Dschungelcamp bekannten Ekelprüfung, die Bauernhochzeit zur wilden Techno-Party. Das Spiel, angesiedelt zwischen Genialität und Wahnsinn, geht auf die Ohren und ins Herz und zieht das Publikum gute zwei Stunden in den Bann. Das belohnt den Kraftakt mit lang anhaltendem Beifall.

Peer Gynt (Vincent Doddema) ist eine arme Socke, aber ein genialer Erbauer von Wolkenkuckucksheimen. Er träumt von Ruhm und Reichtum und seinem großen Ziel, der zu sein, der er ist. Er will sich nicht verbiegen, er will unverwechselbar sein. Von allen als Spinner und Außenseiter verlacht, bekennt sich nur Solveig (Anna Steffens) zu ihm.

Viele Schalen

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Doch Peer Gynt flüchtet vor dem kleinen Glück mit ihr in die Welt der ganz großen Geschäfte, wo er zu Geld und Macht kommt. Als Whisky schlürfender Großkotz schwadroniert er über seine erfolgreichen Waffengeschäfte, die er ja nur abschließt, um Arbeitsplätze zu erhalten und Gutes tun zu können in armen Weltgegenden. Peer Gynt ist endlich ein gemachter Mann, aber er ist austauschbar. Er will raus aus dieser Haut und lässt die Hosen runter – im wahrsten Sinne des Wortes. Peer Gynt muss aber verbittert feststellen: Das Leben ist eine Zwiebel – viele Schalen, aber kein Herz.

Dem fremden Passagier (K. D. Schmidt) bleibt er den Beweis letztlich schuldig, dass er unverwechselbar er selbst ist. Da hilft auch alles Flehen und Verhandeln über eine Verlängerung der Lebenszeit nicht. Peer Gynt hat – sich – verloren und findet doch seinen Frieden – bei Solveig.

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Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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