Berlin Bernhard Schlink, der Jurist und Schriftsteller, lieferte mit seiner Erzählung „Der Andere“ bereits die Vorlage zum gleichnamigen Eifersuchtsdrama. Vor allem aber sein so erfolgreicher „Vorleser“, der mit Kate Winslet in einer Hauptrolle fürs Kino adaptiert und mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, etablierte Schlinks Namen auch unter Filmfans. Nun findet sein Roman „Das Wochenende“ ebenfalls den Weg ins Kino (Start: 11. April), frei umgesetzt von Nina Grosse.

Anderes Land

Das Drama um einen ehemaligen RAF-Terroristen, der, kaum aus dem Gefängnis entlassen, mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, ist stark besetzt: Sebastian Koch ist hier genauso zu sehen, wie Katja Riemann, Sylvester Groth („Inglourious Basterds“) und Barbara Auer („Die innere Sicherheit“).

Fast 20 Jahre hat er gesessen, und das Land, in das der Ex-RAFler Jens Kessler (Koch) zu Beginn des Films entlassen wird, ist ein komplett anderes: eine weit weniger politisierte Gesellschaft als in den 1970er, 1980er Jahren. Menschen in Jens’ Alter, die einst von der Weltrevolution träumten, sind heute vor allem mit der Selbstoptimierung beschäftigt. So auch Inga (Riemann), die mit Jens nicht nur liiert war, sondern mit ihm auch einen Sohn hat. Während Jens noch immer die „Systemfrage“ umtreibt, denkt Inga, die Literaturagentin, ans Joggen und an laktosefreie Milch.

Im Landhaus von Jens’ Schwester (Auer) treffen Inga und Jens wieder aufeinander – dort, im Brandenburgischen, will man den gealterten Revolutionär willkommen heißen. Auch Henner ist dabei, ein ehemaliger Genosse, der sich nur noch in Büchern mit der RAF beschäftigt.

Zur zunächst friedlichen, sich allmählich vergrößernden Wochenend-Runde gehört auch Ulrich (Tobias Moretti), der neue Mann an Ingas Seite, der erfolgreich im Confiserie-Geschäft ist. Schnell wird klar: Mit Jens ist auch heute nicht gut Kirschen essen; der kettenrauchende Ex-Terrorist verbarrikadiert sich hinter Parolen und verstaubtem Vokabular, in sein Inneres aber lässt der Kämpfer von einst nicht blicken. Bis es zur großen Konfrontation kommt, bei der Jens sich den harten Vorwürfen seines mittlerweile erwachsenen Sohnes stellen muss: Damals zu RAF-Zeiten hatte er Gregor vernachlässigt, den Kontakt zu ihm abgebrochen.

Stimmig gezeichnet

Man hätte die Rolle des vorwurfsvollen, des provozierenden Sohnes nicht besser besetzen können als mit Robert Gwisdek, der sein Talent in Sachen Radikalität und Sturköpfigkeit schon unter Beweis gestellt hat in Filmen wie etwa „Renn, wenn du kannst“ von Dietrich Brüggemann. Wie überhaupt die Figuren des „Wochenendes“ fast sämtlich stimmig gezeichnet sind: Sebastian Kochs durch die Haft zwar gebeugter, aber keineswegs gebrochener RAF-Veteran. Katja Riemanns mit der eigenen Indifferenz und Passivität hadernde Literaturagentin. Barbara Auers fürsorgliche Schwester, die alle zusammenführt in ihrem Gutshaus.

Am Ende hält Nina Grosses Drehbuch nach Schlinks Roman keine großen Überraschungen und auch keinen allzu großen Erkenntnisgewinn parat. Grosse hat zwar einen mutigen Film gedreht, der Fragen nicht nur zum RAF-Trauma aufwirft. Das Unverständnis aber zwischen den Generationen wird kaum aufgelöst.

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