JEVER Die Ausstellung dokumentiert Diskotheken der 60er-, 70er- und 80er-Jahre. Eröffnet werden soll sie 2007.

Von Karsten Krogmann JEVER - Neulich war er mal wieder bei Meta. „Das ist hammerhart“, schwärmt Peter Schmerenbeck, „da sieht es noch genauso aus wie vor 30 Jahren: die alten Hocker, die Fischernetze an der Decke, die versiffte Theke.“ Nur Meta fehlt; die Gastwirtin ist 1994 gestorben. Ihr legendärer „Musikschuppen“ in Norddeich wird inzwischen von ihrem Sohn Sven geführt.

Peter Schmerenbeck sitzt auf einem Biedermeier-Stuhl im Torhaus des Schlosses zu Jever. Auf dem Biedermeier-Tisch liegen speckige Fotos von jungen Männern mit langen Haaren, die „haarscharf an einer bürgerlichen Tätigkeit vorbeigeschrammt“ sind, wie Schmerenbeck sagt. Irgendwie ist der stellvertretende Museumsdirektor selbst haarscharf an einer bürgerlichen Tätigkeit vorbeigeschrammt: Er ist Jahrgang 1955 und geht immer noch in die Disko – beruflich. Schmerenbeck ist nämlich Kurator der Disko-Ausstellung „Break on through – Underground in Weser-Ems“.

„Scala“ in Lastrup. „Montparnasse“ in Oldenburg. „Old Inn“ in Aurich. „Charts“ in Harkebrügge. „Meta“ in Norddeich. „Das ist ein wichtiger Teil unserer Kulturgeschichte“, findet Schmerenbeck. Der gebürtige Ostfriese muss es wissen, er hat selbst fleißig geforscht, damals in den 70ern: bei Meta, im Zeteler „Newtimer“, im Oldenburger „Tiffany“. „Wir waren mit allen Sinnen dabei“, erinnert er sich lächelnd und formuliert damit schon das Problem: „Diskotheken sind virtuelle Orte, sie sind schwer in eine Ausstellung zu fassen.“

Erst recht nicht, wenn es sie nicht mehr gibt. Die selbstgemauerten Theken sind zumeist längst abgerissen, die Schallplattensammlungen verkauft. Irgendjemand schenkte Schmerenbeck ein braunes Cord-Kissen aus der „Scala“. „Das kann ja heiter werden“, dachte der Kurator.

Und dann meldeten sich plötzlich die nicht mehr ganz so jungen Männer mit den langen Haaren. Emil Penning hatte noch die erste Lautsprecheranlage aus dem „Tiffany“. Otto Sell besaß Play-Listen aus dem „Etzhorner Krug“. Rolf Joschko steuerte die Metall-Deko des „Rocktheaters“ bei. Das Museum erfuhr, dass es „Meta“ noch immer gibt und auch den „Circus musicus“ in Lohne.

Inzwischen arbeiten rund 60 Leute an der Ausstellung, darunter Discjockeys wie Sell, Buchautoren wie Werner Jürgens und Musikprofessoren wie Fred Ritzel. Und Peter Schmerenbeck legte zu Hause nach langer Zeit mal wieder eine alte Platte der Band Jane auf. „Hammerhart“, sagt er, ich habe gar nicht gewusst, wie sehr mir das gefehlt hat.“

Auf dem Biedermeier-Tisch in der Torwache liegt inzwischen ein Plan von der Ausstellung. Es soll einen Sound- und Lichtraum geben, es soll eine Theke geben, es soll Räume zu den einzelnen Diskotheken geben.

Im Obergeschoss rechts wird dann der Raum „Scala“ sein. Vielleicht kann Peter Schmerenbeck dort nachholen, was er in den 70ern versäumt hat. „Ich war nie in Lastrup“, bedauert er, „die müssen da geniale Musik gespielt haben.“ Er lächelt. Live-Musik im Schlosshof, das wäre doch eine tolle Sache, wenn im kommenden Jahr die Ausstellung eröffnet wird. Schmerenbeck will mal bei der Band Jane nachfragen.

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