OLDENBURG Dem Bremer Musikfest war es vorbehalten, erneut ein Spitzenorchester nach Oldenburg in die EWE-Arena zu verpflichten. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, mit vielen jungen Gesichtern, ist ein solcher Klangkörper. Prachtvoll ausgeglichene Instrumentengruppen, edler Streicherklang, delikate Holzbläser und wohllautend voluminöses Blech, insgesamt weicher und sauberer Ton, geschmeidige Ansprache und eine Routine, die durch nichts zu erschüttern ist – all das bestimmt seinen Rang.

Mit Marek Janowski hat das Orchester einen erstklassigen Dirigenten, der Temperament, Nuancierungskunst und souveräne Überschau miteinander verbindet, der detaillierte Bewegung und Zeichengebung entfaltet, dabei die Tugend der differenzierten Zuwendung pflegt – entsprechend ist das Ergebnis.

Janowski formte Strauss’ Tondichtung „Don Juan“ wie aus einem Guss: klar und leuchtend in den Farben, mit musikantischem Schwung und feinem Gespür für klanglich-melodische Gesten. Lyrische, epische, dramatische Komponenten des Werks waren bildkräftig ausmusiziert, erfüllt von echtem sinnlichem Glanz.

Boris Berezovsky spielte den Solopart in Chopins 1. Klavierkonzert e-Moll: vollendet graziös und vital, delikat und farbig im Klang, makellos in der Technik (ohne flache Virtuosen-Pose), mit aller Weite und Spannkraft melodischer Linien, Tiefe der Kontraste und Spannungen unter einer nur scheinbar glatten Oberfläche des Werks.

Es gab Augenblicke von großartiger Wucht und Eindringlichkeit, zarte lyrische Ausdruckswerte von hoher Schönheit. Es gab die tragisch-balladesken Untertöne des ersten Satzes – und schließlich den nahtlosen Kontakt zum Orchester, der nur mit gemeinsamem „Atmen“ erreicht werden kann.

Brahms’ 2. Sinfonie D-Dur, in der die ganze gelöste, südländische Heiterkeit des Kärntner Sommers, in dem sie entstand, norddeutsch-grüblerisch gespiegelt erscheint, setzte den Schlusspunkt. Janowski hielt sich ganz an die freundlichen Seiten des Werkes. Er setzte auf straffe, beschwingte, gelegentlich hastige Tempi – und brachte dennoch das Kunststück fertig (ein Wunder fast), Themenkontraste, komplexe Formverzweigungen zur Entfaltung zu bringen.

Stürmischer Beifall allenthalben. Berezovsky bedankte sich mit Chopin, das Orchester mit Richard Wagner („Meistersinger“, 3. Akt).

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