HAMBURG /HANNOVER Mit Alben wie „Nursery Crime“ schrieben die Briten Rockgeschichte. Jetzt geht die Band noch einmal auf Tour.

Von Karsten Krogmann HAMBURG/HANNOVER - Der CD-Player dudelte den Smash-Hit „We Can’t Dance“, und auf der Party kam es wieder einmal zu folgendem Dialog:

Musikfan 1: „Toller Song!“

Musikfan 2: „Naja, ich fand die alten Genesis besser.“

Musikfan 1: „Ich doch auch: ,Mama‘, ,That’s All‘ – das waren Super-Songs!“

Musikfan 2: (dreht empört ab und sucht sich einen neuen Gesprächspartner)

*

Anfang der 90er-Jahre gab es die alten Genesis, es gab die nicht ganz so alten Genesis, die neuen Genesis und die sehr neuen Genesis, und unbedarfte Musikhörer kamen da schnell mal durcheinander. Am erfolgreichsten waren die sehr neuen Genesis: „We Can’t Dance“ (1991), das bislang letzte Studioalbum der britischen Band, verkaufte sich mehr als zehn Millionen Mal. Auch die neuen Genesis waren enorm erfolgreich: Die 80er-Jahre-Alben „Genesis“ (mit den Hits „Mama“ und „That’s All“) und „Invisible Touch“ (mit den Hits „Tonight Tonight Tonight“ und „Land Of Confusion“) knackten ebenfalls die Multi-Millionen-Grenze.

Und doch sind sich viele Musikfans einig: Die besten Genesis waren die alten – jene 1967 gegründete College-Band, die mit Langspielplatten wie „Nursery Cryme“ (1971) oder „The Lamb Lies Down On Broadway“ (1974) Rockgeschichte geschrieben hat. Sänger Peter Gabriel, der seine Schulfreunde 1975 für eine Solo-Karriere verlassen sollte, versuchte damals, mit bunten Kostümen und fantastischen Texten Rockmusik und Theater zu einem Gesamtkunstwerk zu verschmelzen. Es gelang, und der Soundtrack dazu definierte fortan das Genre Progrock: ausladende Kompositionen, die den Zuhörer mit fremden Tönen ansprachen, ihn dabei aber mit wunderbaren Melodien in den Arm nahmen.

„Habt ihr Peter Gabriels Telefonnummer?“ – die Frage kam prompt, als Tony Banks (Keyboards), Phil Collins (Schlagzeug und Gesang) und Mike Rutherford (Bass, Gitarre) in London unlängst die Wiedervereinigung von Genesis für eine Welttournee bekannt gaben. „Ja“, antwortete Banks und verblüffte die Zuhörer mit dem Bekenntnis, man habe ursprünglich „The Lamb Lies Down On Broadway“ noch einmal auf die Bühne bringen wollen – mit Sänger Peter Gabriel und Gitarrist Steve Hackett. Gabriel hatte laut Banks sogar Interesse, aber erst „in 2, 3, 4, 5, vielleicht 10 Jahren“. Hackett wurde daraufhin gar nicht mehr gefragt; an der Wiederbelebung der nicht ganz so alten Genesis, die zwischen 1976 und 1977 in der Besetzung Banks/Collins/Hackett/Rutherford ein wenig schwerfällig nach neuen Klängen forschten, hatte man offenbar kein Interesse.

Deshalb gehen jetzt noch einmal die neuen und die sehr neuen Genesis auf Tournee: Banks (55), Collins (55) und Rutherford (55), die den Genesis-Sound mit jeder Platte kompakter und verkäuflicher gestalteten. Wie früher wurden Fußballstadien angemietet, wie früher verspricht Phil Collins „ein visuelles Konzept“, und für die Rockfans wollen die drei sogar so tun, als seien sie die alten Genesis: „Wir spielen Stücke ab 1973“, versprach Tony Banks, „von allem ein bisschen.“

Denn noch neuer als die ganz neuen Genesis wird es nicht mehr werden: Eine neue CD sei nicht geplant, hieß es. Stattdessen sollen in den nächsten Wochen 5.1-Surround-Abmischungen der alten Genesis-Platten auf den Markt kommen, damit auch die ein wenig neuer klingen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.