KöLN „Aerial“ heißt das Doppel-Album der 47-Jährigen. Es ist bei EMI-Music in Köln erschienen.

VOn Karsten Krogmann KÖLN - Huch, die hatten wir ja völlig vergessen. Damals, im Jugendzentrum, haben wir mit ihr immer so fröhlich „Babooshka“ gesungen, aber dann sind wir erwachsen geworden und Kate Bush ist dort geblieben, im Jugendzentrum.

Und jetzt meckert da plötzlich diese Orgel aus der Stereoanlage. Sie klingt ein bisschen nach der Rockgruppe The Who, aber eben nur ein bisschen, weil der Rock fehlt. Ein Bass klopft an; das wird Eberhard Weber sein, der deutsche Jazz-Musiker, der macht oft so komische Geräusche. Kate Bush singt in Zeitlupe „3“ und „1“ und „4“, turmhoch klettert ihr Sopran. „Pi“ heißt das Lied, wie die Zahl, und es schreibt sich eigentlich als mathematisches Zeichen, aber finden Sie so etwas mal auf einer Computertastatur.

Zwölf Jahre lang hat Kate Bush geschwiegen. Keiner wusste, was sie in der Zwischenzeit angestellt hat, aber jetzt gibt es ja „Aerial“, eine Doppel-CD, die die Antwort kennt. Kate Bush hat die Zahl Pi gelernt, sie singt sie fehlerfrei mit 116 Stellen nach dem Komma. Sie hat sich das Programm in der Waschmaschine angeschaut und singt, wie sich im Schleudergang ihr Rock um ihre Bluse wickelt. Sie hat ein Kind bekommen, Bertie heißt es. Es ist ganz süß und niedlich und lieb, singt Kate Bush.

Und sie hat Musik geschrieben. Da rauscht ein alter Analogsynthesizer heran, knistert wie ein Kaminfeuer und brummt wie ein Ölofen. Der Wind raschelt in den Notenstapeln, Glöckchen bimmeln, Vögel zwitschern, und Kate Bush singt elfengleich gegen das Vergessen an. Sie schraubt ihren vibratolosen Sopran wie früher höher und höher, bis an die Schmerzgrenze und, aua, weit darüber hinaus.

In ihrem Haus in England gibt es ein großes Tonstudio. Peter Erskine schaute hin und wieder zum Trommeln vorbei, Gary Brooker hieb in die Hammondorgel, Eberhard Weber kam mit Kontrabass. Kate Bush guckte in die Waschmaschine und spielte mit Klein-Bertie. Manchmal nahm sie sich einen Orgelton, stellte eine Bassnote daneben und einen Trommelschlag und bastelte daraus zeitlose Elfenmusik. Nach zwölf Jahren hatte sie zwei CDs fertig. Die erste ist so etwas wie ein Popalbum mit Liedform, auch wenn die Gesetze der Popmusik darauf nicht gelten wollen, die zweite eine Art Singspiel im Vogelpark.

Wenn Rockmusik stampft, dann schwebt die Musik von Kate Bush. Von ganz oben kann man das Jugendzentrum sehen und Tori Amos und Björk und all die anderen Erfindungen der Plattenfirmen für die bushlose Zeit, die man jetzt nicht mehr braucht.

Nein, vermisst hatten wir Kate Bush nicht. Aber es ist schön, dass sie wieder da ist.

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