BREMEN Beim Bremer Schauspiel prallen zwei Welten aufeinander: Einerseits die opulenten Filmbilder von Federico Fellini (1920–1993), die sich um den Reichtum in all seinen Facetten drehen. Andererseits das bettelarme Bremer Theater, wo aus immer karger werdenden Mitteln Schauwerte erwachsen sollen.

Ausgerechnet den opulenten Filmklassiker „La Dolce Vita“ von 1959 hat man sich hier ausgesucht und presst ihn unter der Regie von Mirja Biel in eine reduzierte Form. So kam zur Premiere ein Theaterabend mit eher spartanischem Projektcharakter heraus, denn naturgemäß fehlte vieles: Kein Hubschrauber, der eine Jesus-Statue über Rom schweben lässt. Und schon gar keine Anita Ekberg, die ihre üppige Erscheinung im Trevi-Brunnen bewässert. Statt dessen ist eine halbrunde Konstruktion aus Glasbausteinen zu sehen, die sich dreht und die ein sprödes Figurenarsenal hervorbringt. Zu Beginn rennt ein Mann im Kreis, manisch, getrieben. Es ist Glenn Goltz als Sensationsreporter Marcello.

Dialoge mit seinen Liebschaften (Irene Kleinschmidt, Susanne Schrader, Johanna Geißler) purzeln ebenso überraschend über ihn herein, wie Gespräche mit dem Literaturfreund (Guido Gallmann) oder seinem Vater (Martin Baum). Wer den Film nicht kennt, wird kaum die tiefere Ebene der halbfertigen Gestalten ausloten können. Dafür gibt es mit Christoph Rinke eine neue Figur: Eine Mischung aus Andy Warhol und Karl Lagerfeld. Der parliert affektiert über die Oberflächlichkeit der Welt und turnt an einer Stange wie ein Go-Go-Girl. Am Ende planscht er als Stellvertreter der vermissten Anita im Wasserfall.

Es geht um Eitelkeit und deren Abbild. Aber der Paparazzi, der doch bei Fellini das zentrale Motiv bildet, der steht hier in Gestalt von Franziska Schubert indifferent mit einer Videokamera herum. Die Methode, mit der Kamera den Menschen auf den Leib zu rücken, ist hier routinierte Theatermasche. Und wenn alle Einfälle versiegen, wird „Warten auf Godot“ gespielt. Es passiert eben rein gar nichts – und so sitzen dort dann zwei Schneemänner und warten auf Anita. Das ist wohl die verzweifelte Selbstreflektion eines Konzepts, das selbst bemerkt, wie wenig es anzubieten hat.

Karten: 0421/365 33 33

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