WILHELMSHAVEN Das Rezept der Regie (Kay Link) und des Bühnenbildners (Frank Albert) ging auf – denn der, vorsichtig ausgedrückt, größte Teil des Premierenpublikums hatte an Kay Links Inszenierung von Peter Shaffers 1965 geschriebener „Komödie im Dunkeln“ seinen Heidenspaß. Das Rezept der Regie bestand darin, auf einer Bühne mit Treppen, Kanten und Ecken spielen zu lassen, die jede Menge Gelegenheiten bot, in Dunkelheit zu stolpern oder in Schieflage zu geraten. Und damit das Publikum dabei nicht im Dunkeln tappen musste, hatte Link zu einem Trick gegriffen: Bei ihm war die Dunkelheit taghell und die Helligkeit stockdunkel.

Link verkaufte diese Idee als Gag zu Beginn der Aufführung. Es machte „klick“ – und weg war das Licht. Erhellt wurde die Szene erst wieder, als der mittellose Künstler Brindsley Miller (Peter Lindhorst) und seine Verlobte Carol (Sara Spennemann) im Dunkeln tappten. Kamen Feuerzeuge oder Kerzen zum Einsatz, geriet die Szene wieder ins Halbdunkel.

Schuld an der Situation war ein alterschwacher Plattenspieler: Kurzschluss – und das, kurz bevor Miller das größte Ding seines erfolglosen Künstlerlebens drehen wollte. Er hoffte sich sowohl die Gunst des Kunstmäzens Godunow (Holger Teßmann) als auch die seines Schwiegervaters in spe, Colonel Melkett (Johannes Simons) zu erwerben.

Dafür hatte sich Miller unbefugt das antike Mobiliar seines Nachbarn Harold Gorringe ausgeliehen (Aom Flury). Das zu verheimlichen war sein größtes Problem: Überraschend war Gorringe früher als erwartet aufgetaucht und musste, unwissentlich im eigenen Mobiliar sitzend, sozusagen im Dunkeln gelassen werden. So wurde das Publikum Zeuge, wie Miller in grell beleuchteter Dunkelheit Stück für Stück der antiken Möbel wieder gegen sein eigenes schäbiges Mobiliar austauschte, darunter einen großen Schaukelstuhl. Der bot dann die Gelegenheit für die größte Slapsticknummer der Inszenierung.

Trotz Tempo und Turbulenzen blieb in dieser Inszenierung manches unterbelichtet. Dialoge und Wortwitz hätten mehr Schliff vertragen. Denn eigentlich ist die „Komödie im Dunkeln“ weniger ein Spiel mit Licht und Dunkel, sondern mit Dummheit und heimlichen Leidenschaften, die es gilt, unter der Decke zu halten.

Karten: 04421/94 01 15

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