Los Angeles James Cameron hat den Platz gewechselt. Der Regisseur, der an diesem Samstag (16. August) 60 Jahre alt wird, steht nicht hinter, sondern ausnahmsweise vor der Kamera. Kurz vor seinem runden Jubiläum ist er der Hauptdarsteller in der Dokumentation „Deepsea Challenge 3D“, die seit Anfang August in den US-Kinos zu sehen ist. Der Film dreht sich um Camerons Tiefseeabenteuer im Jahr 2012, als der Kanadier mit einem Mini-U-Boot nahezu 11 000 Meter unter den Meeresspiegel des Westpazifiks abtauchte. Sein Solo-Ausflug ins Challengertief des Marianengrabens, des tiefsten Punktes der Erde, war ein Rekordtauchgang.

Tauchen ist Camerons zweite große Leidenschaft. Der renommierte US-Verband National Geographic Society nahm den Star-Regisseur als „Explorer-in-Residence“ sogar in seine erlauchte Gruppe von Gastforschern auf. „Wenn ich auf einer Expedition bin, ist die Hollywood-Welt für mich sehr weit weg“, sagte Cameron kürzlich der Zeitschrift „USA Today“. Diese Aufgaben erschienen ihm dann wichtiger. Er hatte auch das Wrack der „Bismarck“ im Nordatlantik besucht und eine Dokumentation über das im Zweiten Weltkrieg von der britischen Royal Navy versenkte deutsche Schlachtschiff gedreht.

Doch darüber hat Cameron sein Versprechen, drei weitere „Avatar“- Folgen zu drehen, nicht vergessen. Die ersten Drehbücher und Ideen für neue Kreaturen und Welten lägen bereits vor, verrät Cameron in dem „USA Today“-Interview Ende Juli. „Ich kann es kaum erwarten, endlich am Set zu sein“, erzählt er seinen Fans. Die müssen aber mindestens noch fünf Jahre auf den Kinostart der ersten Sequel warten.

Cameron ist ein Mann der Extreme. Mit „Titanic“ (1997) und „Avatar“ (2009) drehte er zwei der teuersten Filme Hollywoods, die nun die Rangliste der größten Kassenerfolge anführen. „Avatar“ liegt mit weltweiten Einnahmen von knapp 2,8 Milliarden Dollar an der Spitze, dicht gefolgt von „Titanic“ mit über 2,1 Milliarden Dollar. Der Filmemacher sorgt auch als engagierter Umweltschützer für Schlagzeilen, etwa mit seinem Protest gegen ein umstrittenes Staudammprojekt in Brasilien. Dazu hat der vier Mal geschiedene Regisseur den Ruf als launischer Kontrollfreak weg.

Bei der Golden-Globe-Gala 2013 bekam der Ex-Ehemann von Regisseurin Kathryn Bigelow („Zero Dark Thirty“) vor versammelter Hollywood-Prominenz sein Fett ab. „Wenn es um Folter geht, so vertraue ich voll der Dame, die drei Jahre lang mit James Cameron verheiratet war“, flachste Moderatorin Amy Poehler. Der Saal brüllte, auch Bigelow lachte mit.

Mit „Avatar - Aufbruch nach Pandora“ hatte Cameron 2010 den Golden Globe als bester Regisseur und für das beste Drama gewonnen. Das mit modernster 3D- und Motion-Capture-Technik inszenierte Fantasy-Epos spielt in dem Universum Pandora, wo blauhäutige Ureinwohner im Einklang mit der Natur leben. Wenige Wochen später bei der Oscar-Verleihung stahl ihm allerdings Ex-Frau Bigelow mit dem Irak-Kriegsfilm „The Hurt Locker“ die Show. Beide waren mit neun Nominierungen ins Rennen gegangen. Das teure „Avatar“-Spektakel wurde mit drei Oscars abgespeist, darunter für Kamera und Spezialeffekte. Bigelows Low-Budget-Film holte sechsfaches Gold, auch in den Topsparten Regie und als bester Film.

Seinen großen Oscar-Triumph feierte Cameron 1998 mit der „Titanic“. Sensationelle elf Trophäen holte das Schiffuntergang-Drama, darunter als bester Film und für die beste Regie. „I“m the king of the world“ („Ich bin der König der Welt“), brach es aus Cameron auf der Oscar-Bühne heraus. Das dreistündige Liebes- und Katastrophenepos machte die damals kaum bekannten Hauptdarsteller Kate Winslet und Leonardo DiCaprio zu Superstars. Im Kino wurde wochenlang geweint, die „Titanic“ brach alle Zuschauerrekorde.

Schon vor der Siegesfahrt seiner „Titanic“ gehörte Cameron zu Hollywoods Blockbuster-Regisseuren. Nach der Robotersaga „Terminator“ (1984) mit Arnold Schwarzenegger, dem Science-Fiction-Thriller „Aliens“ (1986) oder dem Unterwasser-Abenteuer „The Abyss“ (1989) galt der gebürtige Kanadier mit der schlaksigen Figur als Spezialist für Action, Spannung und aufwendige Spezialeffekte.

Als Highschool-Schüler kam Cameron mit seiner Familie nach Kalifornien. Er studierte erst Physik, wechselte zu englischer Literatur und machte dann sein Hobby - Spezialeffekte lernen und Storys schreiben - zum Beruf. Sein erstes „Terminator“-Regiewerk kostete nur wenige Millionen Dollar, war aber gleich ein Hit. Viele Filme produzierte er mit seiner zweiten Ehefrau Gale Anne Hurd. Nach dem Ende seiner dritten Ehe mit Bigelow heiratete er „Terminator“-Star Linda Hamilton.

Bei den Dreharbeiten zu „Titanic“ lernte Cameron seine fünfte Frau, die Schauspielerin Suzy Amis, kennen. Mit seinen drei Kindern lebt das Paar inzwischen in Neuseeland, wo der Regisseur auch seine „Avatar“-Folgen drehen wird. Im Juli erzählte Amis der britischen Zeitung „The Guardian“, dass die Familie aus Umwelt- und Gesundheitsgründen vegetarisch lebe. Die Eheleute wollten eine weltweite Kampagne starten, um eine rein pflanzliche Ernährung zu propagieren.

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