BREMEN BREMEN - Ganz sah es so aus, als ob Konstanze Lauterbachs Inszenierung der Tragikomödie „Der Hofmeister oder Die Vorteile der Privaterziehung“ von Jakob Michael Reinhold Lenz am Bremer Theater (das ohnehin in diesen Tagen krisengeschüttelt ist) unter keinem guten Stern stand. Denn mit Muskelfaserriss läuft’s sich schlecht – und daran laboriert Darsteller Alexander Rossi. In nur vier Tagen übernahm Torsten Ranft die Rolle des Hofmeisters Läuffer. Allein wegen seines Mutes muss man ihn loben. Und wie sich am Premierenabend herausstellt: nicht nur deshalb. Denn die Figur des getriebenen Hofmeisters ist für den heißblütigen Schauspieler geradezu eine Paraderolle. Zumal unter Lauterbachs Regie, die den „läufigen Mensch“ über die Bühne durch Geld- und Waschvollautomaten (um das Heutige zu illustrieren) hetzt und gedemütigt und verzweifelt laufen und trampeln lässt, wann immer er sich in ausweglosen Situationen befindet. Und durch die laviert er sich das gesamte Drama über.

Auf Drängen seines Vaters übernimmt der junge Akademiker Läuffer eine Stellung beim Major von Berg – gnadenlos wahnwitzig dargestellt von Guido Gallmann. Dafür erhält er lächerlich wenig Lohn und wird zudem von der Majorsgattin (Irene Kleinschmidt als frustrierte Adelszicke) zum Domestiken degradiert. Läuffer beginnt eine Affäre mit seiner Schülerin Gustchen (Franziska Schubert), schwängert sie und muss fliehen.

„Stürmer und Dränger“ Lenz setzte im „Hofmeister“ uraufgeführt 1778, auf Gesellschaftskritik. So installiert er am Schluss ein trügerisches Familienidyll: Gustchen heiratet Fritz, der das uneheliche Kind annimmt und Läuffer geht eine Verbindung mit der Magd Lise ein.

Regisseurin Konstanze Lauterbach vertraute der versteckten Ironie offenbar nicht ganz. Sie verlegt sich darauf, das Drama zu sezieren und das Tragische und Böse herauszufiltern und dem Zuschauer in aller Eindeutigkeit bloßzulegen. Daher kommen die komischen oder sarkastischen Momente im Bremer „Hofmeister“ reichlich zu kurz. Wohl auch ein Grund dafür, dass die zweieinhalbstündige Aufführung etwas langatmig wirkt.

Karten: 0421/365 33 33

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