Bremen „Aber warum ist es unmöglich?“ – K., Franz Kafkas (1883–1924) Protagonist in dessen Romanfragment „Das Schloss“ – anfangs so ehrgeizig und optimistisch – ist am Ende gänzlich erfüllt von Ohnmacht und Erschöpfung. Auf der Bühne des Theaters am Goetheplatz in Bremen schreit dieser K. seine Frage immer wieder heraus, wird aber nicht gehört, sondern schlichtweg von der Prager Kafka-Band übertönt.

Begeistert wurde die Premiere des szenischen Rockkonzerts von Jaroslav Rudiš, gegenwärtig einer der bekanntesten tschechischen Schriftsteller, und der Kafka- Band am Sonntagabend aufgenommen.

Beklemmend aktuell ist die Thematik: das Erleben von Fremdsein und Erschöpfung. Ein freies und friedliches Leben möchte K. eigentlich in diesem Dorf führen, das er eines Abends erreicht, er erfährt aber nur Misstrauen und Distanz.

Ohne Erlaubnis ist ihm der Aufenthalt untersagt, Genehmigungen kann aber nur die Obrigkeit im Schloss erteilen. Das Schloss wiederum ist und bleibt unerreichbar. Sämtliche Anstrengungen verlaufen ins Leere.

Fabelhaft zeichnet Regisseur Alexander Riemenschneider den Weg von K. in diesen undurchdringbaren Strudel von Macht und Autoritäten, von Bürokratie und Unterwürfigkeit nach, und übergeht dabei humorvolle Momente nicht.

So einige Wege lässt er die Schauspieler Guido Gallmann, Johannes Kühn, Franziska Schubert und Alexander Swoboda auf der großen Bühne gehen, ohne je irgendwo anzukommen. Keiner von ihnen ist auf eine Figur festgelegt. Mit faszinierender Leichtigkeit springen die Akteure zwischen K., Dorfvorsteher und weiteren Handlangern der Obrigkeit umher und kehren damit das Gefühl der Vagheit und inneren Zerrissenheit der Figuren heraus.

Ähnlich wirken die sich überlagernden Text- und Bildprojektionen aus Kafkas Roman von 1922 und der darauf basierenden Graphic Novel von David Zane Mairowitz und Jaromir 99 (Kafka-Band) auf die weiße Stoffkuppel (Bühne: David Hohmann), unter der Schauspieler und Musiker agieren.

Am Ende gelingt mit der Mischung aus Schauspiel und deutsch-tschechischen Songs (Texte stammen aus dem Roman sowie der Graphic Novel), die mit ebenso archaisch-düsterem wie zartem Duktus die verschiedenen Atmosphären einfangen, eine aufregende Form neueren Musiktheaters, in der sehr vielfältige Lesarten von Kafkas „Schloss“ eröffnet werden.


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