BREMEN Die Aufführung in Bremen kann sich sehen lassen. Sie ist eine Spur giftiger als die Oldenburger Fassung.

Von Simone Wiegand BREMEN - Zuschauer haben es gut. Wer den Thriller „Lantana“, zu Deutsch „Wandelröschen“, des Australiers Andrew Bovell auf der Bühne erleben möchte, hat ab sofort die Wahl: Er kann sich für Oldenburg oder Bremen entscheiden. Das Oldenburgische Staatstheater hat das Stück seit Mitte Januar auf dem Spielplan, in Bremen feierte es jetzt Premiere.

So viel sei vorweg gesagt: Die Aufführung im Bremer Schauspielhaus unter der Regie von Nicolai Sykosch kann sich sehen lassen. Sie „besser“ zu finden, wäre zu einfach. Zumal das Stück in Oldenburg schon klasse ist. Vielleicht kann man es so formulieren: In Bremen wuchert das Beziehungsgestrüpp der neun Figuren noch kräftiger und giftiger als in Oldenburg. Es wird mehr Alkohol getrunken, mehr geraucht, mehr geflucht und mehr gelitten. Alles ist ein bisschen intensiver.

Wobei das nicht daran liegt, dass die Bremer mit Siegfried Maschek, Irene Kleinschmidt, Wiltrud Schreiner, Guido Gallmann und Christoph Finger fünf Akteure und damit einen mehr als von Bovell vorgesehen auf die Bühne schicken. Ihre Dialoge sind – ebenso wie in Oldenburg – hervorragend aufeinander abgestimmt, teils simultan, teils überkreuz, teils verbunden.

Die Körpersprache der fünf aber ist in diesem emotionalen Labyrinth intensiver. Da feuert Pete rote Rosen in die Ecke, bevor er in Gegenwart seiner Frau Jane völlig ausrastet. Ein anderes Mal ist es die Psychotherapeutin Valerie, die ausflippt und die Zuschauer anschreit.

Den größten Unterschied bildet gewiss die Spielstätte: Während im Spielraum rund 70 Zuschauer um das Geschehen herum sitzen, verfolgen in Bremen etwa 330 Gäste die Aufführung. Dort steht ein Container auf Rollen. Die Rückwand besteht aus drehbaren Türen, auf denen in großen Lettern steht, wo man sich gerade befindet.

Im zweiten Teil öffnet sich diese Rückwand für eine Waldkulisse. Die Schauspieler sitzen nun auf Regiestühlen, vor ihnen ein Mikrofon. Wie die Wurzeln von „Lantana“, diesem giftigen, sonnenhungrigen Busch, schlingen sich ihre spannenden Episoden ineinander. Bis sich die Figuren plötzlich sehen und miteinander reden. Von ihrem Traum, in dem sich eine Frau die Klippen hinunterstürzt und ein Mann im Meer ertrinkt. Ein echter Thriller eben, der vermutlich – egal wo und wie man ihn aufführt – Erfolg garantiert.

Karten: 04 21/36 53 333

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