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Dangast Vor 125 Jahren, am 6. Februar 1895, wurde Franz Radziwill in Strohausen in der Wesermarsch geboren. Aufgewachsen ist er in Bremen Findorf und Walle. Seine Karriere vom Maurergesellen zum international anerkannten Künstler bereits in den 1920er Jahren ist ungewöhnlich.

Voraussetzung war der Wille, den Wunsch Künstler zu werden, erfolgreich umzusetzen und die im jungen Leben gemachten Erfahrungen und Erlebnisse etwa bei Begegnungen mit Künstlern seiner Zeit oder im Krieg in Russland und Flandern als Stoff für seine vieldeutbaren Bilder zu betrachten. Die künstlerische Umsetzung dieses Erfahrungsschatzes in freie Malerei mit eigenwilligen Proportionen, willkürlicher Räumlichkeit und expressiven Menschenbildern zeigte eine ungebändigte Schaffenskraft.

Vieldeutige Bilder

Expressionisten wie Karl Schmidt-Rottluff, Förderer wie die Hamburger Kritikerin Rose Schapire und der spätere Freund Wilhelm Niemeyer, Sammler wie Ernst Beyersdorff und Georg Düser erkannten das Talent Radziwills und bestärkten ihn in seinen künstlerischen Aktivitäten, sodass er bereits zwischen 1919 und 1923 an Kunstausstellungen in Worpswede, Hamburg und Berlin teilnehmen konnte.

Doch als er dem Rat Karl Schmidt-Rottluffs folgte und sich in Dangast ein Haus kaufte, kamen ihm Zweifel an dieser ungebundenen Malerei. Er entschloss sich, bei den alten Niederländern klassische Kompositionsweisen zu studieren. Seine Malerei wurde strenger im Aufbau, geformter in allen Einzelheiten, sodass sie bald der Neuen Sachlichkeit zugerechnet wurde, was allerdings problematisch ist, weil Franz Radziwill die authentische, subjektive Basis nie verlassen hat und Unerklärbares wie Philosophisches in seine Kompositionen einfließen ließ.

Tatsächlich wird in den weiteren 20er Jahren der vieldeutige Begriff „Magischer Realismus“ verwendet, um das Werk Franz Radziwills einzuordnen, ein Wortpaar, das die feste Gegenständlichkeit aller Dinge und eine exakte Figuration in Radziwills Bildern betont, zugleich aber auch die kaum auflösbare Hintergründigkeit der Beziehungen dazwischen anspricht. Doch für ein Bild wie „Der Kosmos kann zerstört werden, der Himmel nicht“, das heute eine ungeheuerliche Aktualität angenommen hat, wenn Kosmos auf die menschliche Existenz bezogen wird, erscheint die Bezeichnung „magisch“ zu schwach, um Radziwills religiöse Dimension dieser Alternative zu erfassen.

„Wohin in dieser Welt?“ fragte er in einem anderen Werk. Seine Wege hat Eberhard Schmidt in der 2019 erschienenen Biografie von Franz Radziwill unter diesem Titel beschrieben und dabei auch manchen Schritt, der bisher von Fehldeutungen belastet war, dokumentarisch offen gelegt.

Aktualität nimmt zu

Das Haus in Dangast, wo heute sein Werk gepflegt wird, war Franz Radziwills sicherer Hafen. Von dort startete er seine Reisen, unter anderem nach Rom. Dorthin zog er sich zurück, als die Öffentlichkeit nichts von ihm wissen wollte. Die Oldenburger Museen hielten ihm die Treue in den schweren Jahren, als die zeitgenössische Malerei sich von der gegenständlichen Darstellung löste.

In den 1960er Jahren waren die Museen Ausgangspunkt einer neuen Karriere: Über Hannover, Berlin bis hin zu den großen Panorama-Ausstellungen des 20. Jahrhunderts, die ohne Radziwill-Gemälde unvollständig erschienen, fand der Künstler höchste Anerkennung.

Und seine Aktualität nimmt zu: Hat er nicht, der sich auch aktiv im Natur- und Landschaftsschutz engagierte, in vielen Bildern vor jener Katastrophe gewarnt, die heute der Erde droht, wenn Vernunft und Glauben weniger bedeuten als Wachstum und Gier?

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