Cannes Beim Filmfest Cannes stehen die Zeichen in diesem Jahr auf Umbruch. Mit der Eröffnung der 71. Ausgabe (bis zum 19. Mai) und der Premiere von „Everybody knows“ des iranischen Oscarpreisträgers Asghar Farhadi ist am Dienstag ein Festival gestartet, in dem vieles anders sein wird als in den Vorjahren: keine Selfies auf dem roten Teppich, keine Netflix-Produktionen, keine Vorab-Vorführungen für die Presse – und auch die Folgen des Skandals um Hollywood-Mogul Harvey Weinstein werden spürbar sein.

So viel Neuerungen sorgen für Unruhe. Sogar so viel, dass Festivalleiter Thierry Frémaux kurzfristig zu einer Pressekonferenz einlud, um die Wogen etwas zu glätten. „Die ganze Welt hat sich seit letztem September verändert“, sagte Frémaux in Hinblick auf Weinstein. Beim Filmfest in Südfrankreich wird es nun erstmals eine Telefon-Hotline geben, bei der sich Opfer von sexuellen Übergriffen melden können – Weinstein soll auch in Cannes mindestens eine Schauspielerin missbraucht haben.

Das umstrittene Selfieverbot verteidigte Frémaux vehement. Selfies seien furchtbar und lächerlich. „Darauf sieht man immer hässlich aus!“ Überhaupt gehöre er zur alten Generation, sagte der 57-Jährige. Er wolle lieber Zeitung als den Kurznachrichtendienst Twitter lesen – und begründete damit eine weitere Neuerung, die viele Medienvertreter ärgert: Die mehr als 4000 akkreditierten Journalisten werden die Filme erstmals nicht vor den Premieren, sondern frühestens parallel dazu sehen. Frémaux will so die Galas bedeutender machen. Journalisten hingegen befürchten, dass dies ihre Arbeit massiv erschweren wird.

Am Dienstagabend aber stand dann erst einmal die Eröffnung auf dem Programm: Der iranische Oscarpreisträger Asghar Farhadi brachte „Everybody knows“ an die Croisette – und seine beiden Hauptdarsteller Penélope Cruz und Javier Bardem. Cruz spielt eine Mutter, die nach langer Zeit in ihre spanische Heimat zurückkehrt. Dort jedoch verschwindet ihre Tochter spurlos; es beginnt ein nervenaufreibendes Drama. „Everybody knows“ ist Farhadis erster Film auf Spanisch und der erste von 21 Beiträgen im Wettbewerb.

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