Bremen /Bilbao Max Beckmann und Max Liebermann, Vincent van Gogh und Claude Monet, Picasso und Edvard Munch – mit den ganz großen Namen hat die Bremer Kunsthalle in der Vergangenheit ihre Besucher gelockt, ganze Busladungen voll und oft von weither. Große Ausstellungen, die gute Bilanzen bescherten und für hohes Ansehen sorgten. Eine gute Ausgangsposition, um mutig zu sein: Die nächste große Herbstschau rückt die Architektur des Hauses selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit und präsentiert in jedem Raum nur ein einziges bedeutendes Kunstwerk.

Programm mit Stadtmusikanten und Karin Kneffel

Das Jahresprogramm der Kunsthalle Bremen sieht drei weitere Ausstellungen vor: Vom 23. Februar bis zum 2. Juni 2019 ist unter dem Titel „Unser Lehm ist der Kunz geweiht“ die Sammlung Hajo und Angelika Antpöhler zu sehen.

Um bekannte Protagonisten geht es vom 23. März bis 1. September: „Tierischer Aufstand. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft“.

Einer der bedeutendsten Malerinnen der Gegenwart ist vom 22. Juni bis zum 29. September eine retrospektive Ausstellung gewidmet: der 1957 geborenen Karin Kneffel, die in Düsseldorf Meisterschülerin bei Gerhard Richter war.

„Wir leben in einer Zeit der absoluten Bilderflut, der Masse und Aufmerksamkeitsökonomie“, sagt Museumsdirektor Dr. Christoph Grunenberg (56), „und hier wird man fast gezwungen, langsamer zu werden, sich auf eine Konfrontation mit einem einzelnen Kunstwerk einzulassen und vielleicht auch etwas länger zu verweilen.“ Statt mit Masse zu klotzen, setzt die Kunsthalle auf Kontemplation und Entschleunigung. Was nicht heißt, dass nun gekleckert wird. Die Schau, die vom 19. Oktober 2019 bis zum 1. März 2020 zu sehen sein wird, trägt den Titel „Ikonen“ nicht ohne Grund.

Gemeint ist dabei nicht nur das religiöse Andachtsbild. Gezeigt werden vielmehr Kunstwerke, die aufgrund ihrer Aura und spirituellen Präsenz zu Ikonen geworden sind. Ausgehend von einer byzantinischen Ikone und weiteren Beispielen der Andachtskunst ist ein historischer Parcours ausgewählter Meisterwerke aus der Zeit der Romantik, Moderne und Gegenwart geplant. An bekannten Künstlernamen ist dabei kein Mangel – von Caspar David Friedrich, Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian, Marcel Duchamp und Yves Klein bis zu Andy Warhol, Joseph Beuys, Isa Genzken und Thomas Struth.

Über die Titel der Kunstwerke schweigt sich der Kunsthallendirektor noch aus: „Das ist in Arbeit, aber es werden ein paar tolle Sachen dabei sein“, verspricht er.

Mit den Bildern werden alle drei Etagen des Gebäudes bespielt, Raum für Raum. Zum Teil handele es sich um Großformate, erläutert Grunenberg, aber auch um kleine, intime Werke oder ausnahmsweise um eine Serie. Die Kunsthalle verfüge über rund 60 ganz unterschiedliche Räume – vom Oberlicht- und Eingangssaal bis zu kleinen Kabinetten. Das lasse sich ganz unterschiedlich bespielen und inszenieren.

Ein ziemlich ungewöhnliches Projekt räumt Grunenberg ein, aber die Resonanz, auch bei den Museumskollegen, sei bisher überwiegend positiv. Auf die Reaktion der Besucher ist er gespannt. Sie müssen auf jeden Fall bei diesem Ausstellungsbesuch eine gewisse Strecke zurücklegen, um alle Kunstwerke zu sehen.

Parallel macht die Kunsthalle noch mit einem weiteren Projekt von sich reden: Während der „Ikonen“-Ausstellung, die sich durchs ganze Haus zieht, gehen ausgewählte bedeutende Werke aus der Gemäldegalerie, der Skulpturensammlung und dem Kupferstichkabinett auf Reisen und werden dem spanischen Publikum präsentiert. Vom 25. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 werden sie im Guggenheim-Museum Bilbao zu sehen sein, in dem spektakulären Bau des Star-Architekten Frank O. Gehry.

„Es ist natürlich nur eine Auswahl unserer Sammlung“, sagt Grunenberg. Das Haus sei eines der führenden Museen der Welt, eine erste Adresse in Europa, und sehr an der Kooperation interessiert gewesen. Eine einmalige Gelegenheit, „die Bremer Sammlung und ihre Geschichte international bekannt zu machen“.

Zu den rund 150 hochkarätigen Exponaten auf Reisen gehören etwa Van Goghs „Mohnfeld“ und Werke aus der Worpsweder Malerkolonie, um in Bilbao „auf hohem Niveau präsent zu sein“. Selbstverständlich würden alle erforderlichen Maßnahmen für den Transport getroffen, sagt Grunenberg.

Trotz der hohen Standards hat der Direktor jedoch nicht in jedem Fall die „Reiseerlaubnis“ gegeben. Der „doppelte Kirchner“ etwa – das von beiden Seiten bemalte Gemälde „Liegender Akt mit Fächer“ beziehungsweise „Schlafende Milly“ – reist nie und wird auch diesmal zu Hause ein Bremen bleiben.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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